Wirtschaft : US-Notenbank erhöht die Zinsen Fed verweist auf wachsenden Inflationsdruck

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Berlin Die US-Notenbank (Fed) hat die Zinsen in den USA erneut angehoben. Das teilten die Banker am Dienstagabend mit. Der Leitzins liegt jetzt bei drei Prozent – 0,25 Prozentpunkte höher als bisher. Zur Begründung verwies der Offenmarktausschuss der Fed in einer Erklärung darauf, dass „der Inflationsdruck in den letzten Monaten zugenommen hat“. Sie rechne damit, dass auch nach dieser Maßnahme die Balance gehalten werde zwischen einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum und der Aufgabe, die Preise stabil zu halten. Die Fed betonte außerdem, an ihrer bisherigen Politik der maßvollen Zinsschritte weiter festhalten zu wollen.

Die Zinserhöhung lag im Rahmen der Erwartungen der meisten Experten. Sie ist bereits die achte seit Juni 2004. Zuvor hatte die Fed die Zinsen auf ein historisch niedriges Niveau gebracht, um der schwächelnden Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Die hat sich mittlerweile erholt, auch wenn die Wachstumsraten wieder etwas zurückgehen.

Im Gegensatz zu den USA ist für den Euroraum keine Zinserhöhung zu erwarten, obwohl sich dort der Leitzins seit Juni 2003 nicht mehr verändert hat. Wenn der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) heute in Berlin zusammentrifft, um über einen weiteren Zinsschritt zu entscheiden, wird er es höchstwahrscheinlich beim aktuellen Zinssatz von zwei Prozent belassen, erwarten Experten. „Die EZB hat guten Grund, gar nichts zu tun“, sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Bank of America, dem Tagesspiegel am Dienstag. Die Inflationsrate biete jedenfalls keinen Anlass dazu, die Zinsen zu erhöhen, sagte Schmieding. Das denkt auch Ulrich Hombrecher, Chefvolkswirt der West LB. „Die Kernrate liegt unter zwei Prozent“, sagte Hombrecher. Die jährliche Teuerungsrate in der Euro-Zone betrug zwar im April wie im Vormonat 2,1 Prozent und lag damit knapp über der Schwelle von 2,0 Prozent, bei der die EZB die Preisstabilität gewahrt sieht. Allerdings sind darin auch Sondereffekte wie der hohe Ölpreis oder steigende Tabaksteuern mit eingerechnet.

Auch das schwache Wirtschaftswachstum im Euroraum biete derzeit noch keinen Anlass dazu, die Zinsen etwa zu senken und so das Wachstum wieder anzukurbeln, wie immer wieder von Politikern in Deutschland und Italien gefordert wird. „Nur wenn wir uns im Spätsommer in der Eurozone immer noch in einer echten Stagnation befinden, dann könnte eine Zinssenkung Sinn machen“, sagte Schmieding. Hombrecher zufolge würde jedoch auch dann eine Zinssenkung keine neuen Wachstumsimpulse bringen, da die Probleme strukturell bedingt seien.fw/hop

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