US-Notenbank Fed : Was Sparer und Anleger von der ultralockeren Geldpolitik haben

Die US-Notenbank bleibt bei niedrigen Zinsen und Anleihekäufen. Sollte man jetzt Aktien kaufen? Lohnen sich Tages- und Festgeld noch? Was wird aus Lebensversicherungen?

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Überrascht und erleichtert. Händler an den Aktien- und Terminbörsen brachen nach der Entscheidung der US-Notenbank in Jubel aus.
Überrascht und erleichtert. Händler an den Aktien- und Terminbörsen brachen nach der Entscheidung der US-Notenbank in Jubel aus.Foto: AFP

Mit kräftigen Kursgewinnen haben die Aktienmärkte von Asien über Europa bis in die USA am Donnerstag auf die Beibehaltung der lockeren Geldpolitik der US-Notenbank Fed reagiert. Auch der Goldpreis stieg – genauso wie der Euro. Der Deutsche Aktienindex sprang zunächst auf ein neues Rekordhoch von 8765 Zählern. Am Nachmittag setzten jedoch Gewinnmitnahmen den Kursen zu. Am Abend notierte der Dax bei 8674 Zählern (plus 0,4 Prozent).

Fed-Chef Ben Bernanke hatte am Mittwochabend überraschend erklärt, dass die US-Notenbank – anders als erwartet – ihre Anleihekäufe unverändert beibehalten und die Leitzinsen auf längere Sicht nicht erhöhen werde. Was bedeutet die geldpolitische Entscheidung, den Kapitalmarkt weiter mit billigem Geld zu fluten?

SPARZINSEN UND BAUGELD

Verbraucher, die ihr Geld auf Spar-, Tagesgeld- oder Festgeldkonten geparkt haben, dürften sich nun kaum noch Hoffnungen auf steigende Zinsen machen. Nach Angaben der Frankfurter Finanzberatung FMH wird Tagesgeld aktuell im Durchschnitt mit 0,7 Prozent pro Jahr verzinst – bei einer Inflationsrate von zuletzt 1,5 Prozent. Die besten Konditionen liegen derzeit bei 1,5 Prozent. Für einjähriges Festgeld sind ebenfalls im Schnitt nur 0,7 Prozent drin. Selbst bei lang laufenden deutschen Staatsanleihen, deren Rendite zuletzt etwas gestiegen war, werden sicherheitsbewusste Sparer nur mit rund zwei Prozent (Laufzeit zehn Jahre) abgespeist. Langfristige Bindung bringt also keinen Zinsvorteil – nach der Fed-Entscheidung noch weniger.

Wer Geld leihen will, etwa für den Bau eines Hauses oder den Kauf einer Wohnung, sollte womöglich etwas warten. Denn Hypothekenkredite mit langer Zinsbindung hatten sich – in Erwartung einer Zinswende – zuletzt verteuert und könnten sich nun wieder verbilligen. Noch im Frühjahr kostete Baugeld mit zehn Jahren Laufzeit im Schnitt 2,31 Prozent, aktuell sind es laut FMH 2,78 Prozent.

AKTIEN

Verglichen mit Zinsanlagen sind Aktien bereits seit vielen Monaten attraktiv. Der Deutsche Aktienindex hat seit Jahresanfang mehr als 13 Prozent zugelegt. Nach der Fed-Entscheidung stehen die Chancen gut, dass die Anteilsscheine von soliden Unternehmen mit einer guten Ertragslage und hoher Dividende gefragt bleiben. Hinzu kommt, dass enorme Summen an Anlegerkapital nach lukrativen Investments sucht. Allein Hedgefonds wollen weltweit 3,4 Billionen Dollar unterbringen. „Die Liquidität ist bis Jahresende gesichert, der Weg für weiter steigende Kurse ist frei, 9000 Dax-Punkte sind möglich – allerdings nicht gleich in den nächsten vier Wochen“, sagte Sven Krause, Bereichsleiter Fondsmanagement der Landesbank Berlin Investment, dem Tagesspiegel. Sorgen vor einer Spekulationsblase hat Krause nicht: „Von den hohen Bewertungen der Jahrtausendwende, als die Blase irgendwann platzte, sind wir meilenweit entfernt.“ Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von jeweils 13 seien Dax und Euro-Stoxx vergleichsweise niedrig bewertet. Doch sollten Anleger einkalkulieren, dass irgendwann die Zeit des billigen Geldes endet. Wann dies der Fall ist, fragen sich auch die Experten. „Die Fed hat etwas vorbereitet, das sie dann gestern anders entschieden hat. Das hat viele, auch uns, überrascht“, sagte Fondsmanager Krause. Niemand habe dieses Szenario auf der Rechnung gehabt. „Die Frage stellt sich nun, wann die Notenbank damit beginnen will, das ganze Geld wieder einzusammeln.“

VERSICHERUNGEN

Die Versicherer hatten auf eine Trendwende gehofft. „ Eine Abkehr von der Politik des billigen Geldes ist überfällig“, hieß es am Donnerstag beim Versicherungsverband GDV. „Die künstlich niedrigen Zinsen gehen massiv zulasten der Altersvorsorgesparer“, warnen die Versicherer. Denn die Unternehmen investieren das Geld ihrer Kunden am liebsten in sichere Staatsanleihen, und die dürften – nach der jüngsten Fed-Entscheidung – auch in Zukunft nicht viel abwerfen.

„Die Überschussbeteiligungen der Kunden werden wohl noch ein bisschen sinken“, glaubt Axel Kleinlein, Chef des Bundes der Versicherten. In diesem Jahr liegt der Branchenschnitt für die laufende Verzinsung bei 3,61 Prozent, rechnet man auch die Beteiligung der Kunden an den stillen Reserven und die Schlussüberschüsse mit ein, die bei Vertragsende gezahlt werden, beträgt die Gesamtverzinsung durchschnittlich 4,24 Prozent. Eine Herausforderung, wenn man bedenkt, dass sichere Staatsanleihen gerade einmal die Inflation ausgleichen.

Die Versicherer zehren jedoch von langlaufenden Papieren, die sie zu Hochzinszeiten angeschafft haben, und suchen auch nach alternativen Geldanlagen. All das hat ihnen im vergangenen Jahr eine Durchschnittverzinsung ihrer Kapitalanlagen von 4,5 Prozent beschert. „Schieflagen oder Pleiten in großem Stil sehen wir nicht“, glaubt daher auch Verbraucherschützer Kleinlein.

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