Wirtschaft : US-Notenbank macht Anleger mutig

Hoffnung auf weitere Zinssenkung in den USA Teurer Euro belastet Autoaktien im Dax

Henrik Mortsiefer

Berlin - Teures Öl, schwacher Dollar, Banken in der Kreditkrise, Rezessionsangst in den USA – die Rahmenbedingungen hätten den November zu einem schwarzen Börsenmonat machen können. Stattdessen kamen deutsche Aktienanleger mit einem blauen Auge davon. Der Dax verlor nur 1,7 Prozent, der Dow Jones hingegen 4,5 Prozent. Am Ende kletterte der Dax sogar kräftig nach oben.

Der Grund: Die US-Notenbank macht den Aktienmärkten Hoffnung auf weiter fallende Zinsen. In der Regel profitieren die Börsen von niedrigen Zinsen, da Investments in Aktien dann im Vergleich zu festverzinslichen Papieren rentabler werden. Paradoxerweise ist der Optimismus der Anleger das Ergebnis einer pessimistischen Prognose der amerikanischen Notenbank Fed. Die zuletzt erneut aufgetretenen Belastungen an den Finanzmärkten hätten den Ausblick für die US-Wirtschaft eingetrübt, hatte Fed-Chef Ben Bernanke am Donnerstagabend gesagt. Diese erneuten Turbulenzen „haben teilweise die Verbesserungen im September und Oktober rückgängig gemacht“. Die Fed müsse „außergewöhnlich wachsam und flexibel bleiben“.

Aus Bernankes Analyse zogen Börsianer den Schluss, dass im Dezember die Zinsen in den USA sinken werden. Zuletzt hatte die Fed den Leitzins im Oktober um 0,25 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent gesenkt. Käme es noch vor der Jahreswende zu einem Zinsschritt, würde auch der Druck auf die Europäische Zentralbank wachsen, der Fed zu folgen. Im Euroraum liegt der Leitzins stabil bei 4,0 Prozent.

Als größte Belastung für die exportstarken Branchen erwies sich im November der starke Euro, der deutsche Produkte im Dollarraum verteuert. Mit einem Kurs von mehr als 1,49 Dollar hat der Wechselkurs die Schmerzgrenze erreicht. Abzulesen ist dies an der Kursentwicklung der Autoaktien. Daimler, BMW und VW beenden den Monat mit zweistelligen prozentualen Verlusten. Noch schlechter schnitt Infineon (minus 18,6 Prozent) ab. Mit tiefroten Quartalszahlen hatte der Halbleiterkonzern die Erwartungen erneut enttäuscht. Auch Thyssen-Krupp rutschte ab (minus 12,7 Prozent). Der Konzern litt unter der Furcht vor einer deutlichen Abkühlung der Weltkonjunktur, die auch die Nachfrage nach Stahl belasten würde.

Beim Monatsgewinner Postbank zahlte sich die Kurspflege des Post-Chefs Klaus Zumwinkel aus, der in mehreren Interviews über das große Interesse an der erfolgreichen Finanztochter philosophiert hatte. Obwohl er stets hinzufügte, die Postbank stehe vorerst nicht zum Verkauf, sprang die Börse auf den Zug auf: Der Kurs stieg um 18,5 Prozent.

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