Wirtschaft : US-Notenbank macht das Geld billiger Euro steigt nach Zinssenkung auf Rekordhoch

Stefan Kaiser

Berlin – Die amerikanische Notenbank Fed hat dem Drängen der Börsianer nachgegeben und Geld erneut billiger gemacht. Der Leitzins werde um 0,25 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent gesenkt, teilte die Fed am Mittwochabend mit. Durch die erneute Zinssenkung solle den negativen Effekten der Finanzkrise auf die Wirtschaft entgegengewirkt werden. Bereits im September hatte die Fed den Zinssatz um 0,5 Punkte runtergesetzt.

Die Notenbanker um ihren Chef Ben Bernanke wiesen auch auf die weiter bestehenden Inflationsrisiken hin. Man sei bereit, bei Bedarf Preisstabilität und nachhaltiges Wachstum weiter zu fördern. Die Börsianer reagierten hektisch auf die Erklärung. Obwohl die Zinssenkung allgemein erwartet worden war, sackten die Kurse am US-Aktienmarkt zunächst deutlich ab, um kurz darauf wieder nach oben zu schießen. Am Ende schloss der US-Leitindex Dow Jones mit einem Plus von einem Prozent auf 13 930 Punkte.

Positiv auf die Börse wirkten auch die schon vor der Zinsentscheidung veröffentlichten Wachstumszahlen für das dritte Quartal. Demnach hat die amerikanische Wirtschaft mit 3,9 Prozent überraschend stark zugelegt.

Die Fed zeigte sich jedoch besorgt um die Entwicklung der US-Wirtschaft. „Das Wachstumstempo wird sich in naher Zukunft wahrscheinlich abschwächen, teilweise als Folge der verschärften Korrektur am Häusermarkt“, erklärte die Notenbank. In den USA hatten Banken und Baufinanzierer jahrelang Immobilienkredite an einkommensschwache Kunden ohne Eigenkapital vergeben. Seit Ende vergangenen Jahres fallen diese Darlehen immer öfter aus. Damit schwindet auch die Kaufkraft. Zudem leiden die Banken unter der Krise und stellen sich gegenseitig kaum noch Geld zur Verfügung.

Die Zinssenkung hat auch Auswirkungen auf den europäischen Raum. Am Mittwoch war dies bereits am Kurs des Euro abzulesen, der nach der Zinsentscheidung erstmals in seiner Geschichte die Marke von 1,45 Dollar übersprang. Sinkende Zinsen in den USA machen Anleihen in Dollar weniger attraktiv. Die Anleger schichten ihr Geld deshalb in Euro um.

Dieser Trend könnte sich fortsetzen, wenn die Zinsdifferenz zwischen den USA und der Euro-Zone weiter sinkt. Noch liegt der Leitzins in den USA über dem in der Euro-Zone (siehe Grafik). Doch der Abstand ist seit Mitte vergangenen Jahres bereits deutlich kleiner geworden und könnte noch schrumpfen, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins für die Eurozone weiter erhöht. Zuletzt hatte sie mit Rücksicht auf die Folgen der US-Hypothekenkrise ihre Zinserhöhungspolitik ausgesetzt. Steigende Inflationsraten erhöhen aber den Druck auf die EZB, die Zinsen weiter anzuheben.

Die Verbraucherpreise sind in der Euro-Zone zuletzt so stark gestiegen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Im Oktober lag die Inflationsrate bei 2,6 Prozent, wie das EU-Statistikamt Eurostat am Mittwoch aufgrund vorläufiger Schätzungen mitteilte. Damit liegt der Preisanstieg deutlich über den Empfehlungen der EZB für eine Inflationsrate von maximal zwei Prozent. In Deutschland waren die Preise im Oktober wie schon im September im Schnitt um 2,4 Prozent gestiegen.Einige Mitglieder des EZB-Rates, allen voran Bundesbankpräsident Axel Weber, plädieren deshalb für weitere Zinserhöhungen. Signale dafür werden bei der EZB-Ratssitzung in der kommenden Woche erwartet. Stefan Kaiser

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