Wirtschaft : US-Notenbank: Zinshoffnungen beflügeln die Aktienmärkte

Hoffnungen auf sinkende Zinsen in den USA haben die Aktienmärkte am Dienstag positiv gestimmt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) legte fast 1,5 Prozent zu. Allerdings sprachen Händler in Frankfurt von geringen Umsätzen. Unmittelbar vor der letzten Sitzung der US-Notenbank in diesem Jahr hielten sich offenbar viele Anleger zurück. Experten erwarteten eine Änderung in der amerikanischen Geldpolitik hin zu einer Lockerung.

Zwar rechnete kaum einer der Experten mit einer sofortigen Zinssenkung durch die amerikanische Notenbank (Fed), sie erwarteten jedoch Signale in diese Richtung, so dass auf der nächsten Fed-Sitzung Ende Januar ein solcher Schritt folgen könnte. US-Notenbankchef Alan Greenspan hatte vor wenigen Tagen bereits entsprechende Andeutungen gemacht, nachdem die jüngsten Konjunkturdaten eine deutliche Wachstumsverlangsamung in den USA bei gleichzeitig geringen Inflationsgefahren belegten. Die US-Wirtschaft war im dritten Quartal nur noch um 2,4 Prozent gewachsen. Das war der geringste Zuwachs seit vier Jahren. Die gestrige Fed-Sitzung dauerte bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch an. Die deutschen wie auch die europäischen Standardwerte konnten überwiegend zulegen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) lag am frühen Abend mit 1,4 Prozent im Plus bei 6480 Punkten. Dagegen rutschte der Neue Markt vorübergehend ins Minus, konnte sich dann aber erholen. In New York zeigte sich der Dow-Jones-Index im frühen Handel wenig verändert auf Vortagesniveau, während die Technologiebörse Nasdaq mehr als ein Prozent gewann. Der in den vergangenen Tagen in einem leichten Aufwärtstrend befindliche Euro rutschte vorübergehend wieder knapp unter 0,89 Dollar. Die EZB berechnete den Referenzkurs am Mittag mit 0,8903 (Vortag: 0,8966) Dollar.

Am deutschen Markt fiel insbesondere die Aktie der Deutschen Telekom auf; sie setzte sich zeitweise mit einem Kursgewinn von fünf Prozent an die Spitze der Dax-Gewinner. France Te¿le¿com teilte mit, ihren Anteil an dem deutschen Wettbewerber in Höhe von 1,8 Prozent für 3,1 Milliarden Euro an die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verkauft zu haben. Daimler-Chrysler drehte nach zeitweisen Kursgewinnen dagegen ins Minus. Auch Bankaktien verloren, während die Technologiewerte im Dax überwiegend zulegen konnten. Am Markt wurde dies aber lediglich als technische Reaktion gewertet. Die Siemens-Tochter Epcos beispielsweise hatte in den vorherigen Tagen deutliche Kursverluste erlitten.

Trotz der insgesamt steigenden Kurse ist Händlern zufolge eine echte Trendwende noch nicht in Sicht. Der Markt reagiere lediglich auf die Abgaben der vergangenen Wochen. Von einem Aufschwung könne erst gesprochen werden, wenn neben den Kursen auch die Umsätze anzögen. Die Mehrheit der institutionellen Anleger hätten ihre Bücher für das laufende Jahr bereits geschlossen und kauften oder verkauften nur noch kleinere Aktienpakete, hieß es am Neuen Markt. Angesichts der geringen Volumina seien die Kurse Zufallsprodukte.

Constantin Rerras, Fondsmanager bei Helaba Invest, blickte "moderat positiv" in das kommende Jahr. Kurzfristig könne es zwar im Sog von Gewinnwarnungen zur Rückschlägen kommen. Langfristig seien die Aussichten jedoch gut, da eine abrupte Konjunkturabschwächung in den USA - also die von manchen befürchtete harte Landung - unwahrscheinlich erscheine.

Schlechter sieht es in Japan aus. Aufgrund der schwachen Konjunktur sank der Nikkei-Aktienindex am Dienstag um 2,4 Prozent auf den tiefsten Stand seit gut 21 Monaten.

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