US-Pharmabranche : Noch eine Fusion

Merck & Co. steigt mit der Übernahme von Schering Plough zur weltweiten Nummer zwei auf.

S. Hofmann,M. Telgheder

Frankfurt am Main - Sechs Wochen nach der Übernahme von Wyeth durch Pfizer steht in der Pharmabranche die nächste Großfusion an: Der amerikanische Konzern Merck & Co. will für rund 41,1 Milliarden Dollar (32 Milliarden Euro) den halb so großen Konkurrenten Schering Plough kaufen und so zum weltweit zweitgrößten Arzneimittelhersteller hinter Pfizer aufsteigen. „Wir schaffen damit einen starken, globalen und führenden Gesundheitskonzern, der auf nachhaltiges Wachstum und Erfolg ausgerichtet ist“, sagte MerckChef Richard Clark.

Die beiden in New Jersey beheimateten Konzerne haben 2008 zusammen rund 47 Milliarden Dollar umgesetzt und vermarkten seit Jahren gemeinsam die milliardenschweren Cholesterinsenker Vytorin und Zetia.

Von der Fusion verspricht sich Merck, ab dem Jahr 2011 jährlich 3,5 Milliarden Dollar durch Synergieeffekte einsparen zu können. Beide Unternehmen haben in den vergangenen Jahren bereits harte Sparprogramme durchgezogen, um ihre Gewinnspannen halten zu können. Seit Jahren sinken die Umsätze in der Pharmabranche aufgrund der wachsenden Konkurrenz in Form von Nachahmermedikamenten (Generika) sowie steigendem Preisdruck und mangelndem Produktnachschub. Das Hauptproblem bleibt die Produktentwicklung. Bereits zugelassene Hoffnungsträger gerieten in die Kritik oder mussten komplett vom Markt genommen werden, wie zum Beispiel das Merck-Schmerzmittel Vioxx.

Merck zahlt pro Aktie von Schering Plough 23,61 Dollar in bar und Aktien der fusionierten Firma, was mehr als das 20-fache des Gewinns vor Zinsen und Steuern ergibt. Damit kauft Merck den Konkurrenten teurer ein als jüngst Pfizer den Wyeth-Konzern. Dennoch halten Analysten den Kauf für günstig, insbesondere mit Blick auf die äußerst vielversprechende Produktpipeline von Schering Plough. Während viele große Pharmakonzerne nur wenige Hoffnungsträger für die nächste Dekade in der klinischen Erprobung haben, wartet Schering Plough gleich mit fünf Wirkstoffen auf, die bis 2013 zugelassen werden sollen und allesamt das Potenzial haben, Milliardenumsätze zu generieren. Insgesamt verdoppelt Merck durch die Übernahme die Zahl der Medikamentenkandidaten in der letzten klinischen Phase auf 18, teilte Merck mit. Die Verwaltungsräte beider Unternehmen haben demnach der Fusion bereits zugestimmt. Das verschmolzene Unternehmen wird unter dem Namen Merck weiterlaufen. Merck-Chef Richard Clark soll die neue Gruppe führen.

Die amerikanische Merck & Co. ist unabhängig vom deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen Merck KGaA. Beide Firmen gehen aber auf die deutsche Industriellenfamilie Merck zurück, deren US-Tochtergesellschaft Merck & Co. nach dem Ersten Weltkrieg enteignet wurde und seitdem als eigenständiges Unternehmen firmiert. Auch Schering Plough hat deutsche Wurzeln: Im Zweiten Weltkrieg entstand aus der US-Niederlassung der Schering AG nach der Enteignung durch die US-Regierung ein eigenständiges Unternehmen, die Schering Corporation, die 1971 mit Plough Inc. fusionierte. HB

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