Wirtschaft : US-Präsidentschaftswahl: Wahl lässt die Kassen der Wirtschaft klingeln

Robert von Rimscha

Was hat KABC in Los Angeles mit WNBC in New York, WLS in Chicago und WPVI in Philadelphia zu tun? Alle vier Kürzel stehen für Fernsehsender. Alle vier sind profitable Unternehmen. Während Al Gore und George W. Bush über Geld reden, nehmen es Amerikas Fernsehsender ein. KABC hat bis zum August 10,4 Millionen Dollar für Wahlwerbung eingenommen. Dies ist der Spitzenplatz auf Amerikas Medienmarkt. WNBC hat an die Kandidaten für das Weiße Haus, für das Repräsentantenhaus und den Senat Sendezeit für 6,8 Millionen Dollar verkauft, WLS für 6,3 Millionen, WPVI für 5,6 Millionen Dollar. Bis zum 7. November werden die Summen weiter steigen. Die Industrie schätzt die Gesamtausgaben für TV-Wahlwerbung auf 600 Millionen Dollar. Ein Analyst von Paine Webber spricht gar von einer Milliarde.

Die Wahl ist ein Wirtschaftsfaktor. Immerhin müssen die 30-Sekunden-Spots geplant, gefilmt und zuletzt getestet werden. Tausende PR-Agenturen sitzen seit dem Sommer 1999 an Fernsehspots, Radio-Jingles und Zeitungsinseraten. Druckereien werfen Plakate und Broschüren aus. T-Shirt- und Baseballkappenhersteller freuen sich ebenso über die Spendierfreudigkeit der Parteien. Die Besitzer von Sport-Arenen vermieten zu Höchstpreisen an die Parteiorganisatoren. Hoteliers in den "Convention"-Städten Philadelphia und Los Angeles konnten im August 800 Dollar pro Zimmer verlangen. Umfragefirmen verzeichnen Rekord-Nachfrage. "Pollsters" und "Focus Group Consultants" suchen den US-Normalbürger, dem die Produkte der Politik-PR vorgeführt werden, um Reaktionen zu testen. Hunderte Berater, Experten und Alt-Minister erhalten Honorare für kluge Gedanken, die sie in die Kameras äußern.

Selbst Schauspieler gehören zu den Profiteuren eines Wahlkampfes, der wohl der teuerste in Amerikas Geschichte werden wird. Darrell Hammond spielt in der Satire-Show "Saturday Night Live" Al Gore, und ein Mime namens Will Ferrell gibt George W. Bush. Auch Hammond und Ferrell, ebenso wie die Gagschreiber und die Maskenbildner, die sie wie die echtenKandidaten aussehen lassen, leben vom Duell ums Weiße Haus.

Der ökonomische Effekt der Wahlen steigt noch dadurch, das zugleich Mitglieder für Schul-Aufsichtsbehörden, Richter, Staatsanwälte, Stadträte, Bürgermeister, Gouverneure und Landesabgeordnete gekürt werden. Sie alle dürfen kräftig Werbegelder ausgeben, weil der Oberste Gerichtshof entschieden hat, dass grenzenlose Wahlwerbung als Meinungsfreiheit gilt. Und so ist denn auch von neuen Rekorden zu berichten. Jon Corzine, ein Demokrat aus New Jersey, dort Kandidat für den Senat, wird 60 Millionen Dollar ausgegeben haben, wenn er am 8. November aufwacht und weiß, ob es gereicht hat. Dagegen sind die 25 Millionen, die Verleger Steve Forbes für seine Präsidentschaftskandidatur verjubelte, Peanuts. Nur ein Berufsstand scheint von den US-Wahlen nicht zu profitieren, der in Deutschland vor Urnengängen stets groß zur Geltung kommt. Plakat-Stellwände in den Innenstädten kennt Amerika nicht. Aber dafür haben die Produzenten von US-Flaggen und weißen, roten und blauen Luftballons Sonderschichten einlegen dürfen.

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