Wirtschaft : US-Steuerreform: Senkung der Abgaben kurbelt US-Wirtschaft an

Sandra Louven

An diesem Donnerstag wird US-Präsident George W. Bush die Steuerreform unterzeichnen. Damit wird er das amerikanische Wirtschaftswachstum antreiben - darin sind sich die führenden Investmentbanken einig. Das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten soll als direkte Folge der Steuersenkungen noch im zweiten Halbjahr 2001 einen Impuls in der Größenordnung von 0,8 Prozentpunkten erhalten. Viele Ökonomen rechnen damit, dass die Steuersenkungen eine Rezession in den USA verhindern. "Zusammen mit der dramatischen Lockerung der Geldpolitik durch die Fed, sollten die Steuersenkungen im vierten Quartal für eine wirtschaftliche Erholung sorgen," meint etwa Bruce Steinberg, Chefökonom von Merrill Lynch.

Der Auslöser dieser Erholung sind Steuer-Rückzahlungen, die bereits in diesem Spätsommer erfolgen. Sie resultieren aus einer Senkung des Mindeststeuersatzes von 15 auf zehn Prozent für die ersten 6000 Dollar versteuerbaren Einkommens von Singles und 12 000 Dollar von Ehepaaren. Da dieser neue Satz rückwirkend zum ersten Januar gilt, erhalten alle Amerikaner zwischen dem 20. Juli und dem 28. September einen Scheck vom Finanzministerium - Singles bis zu 300 Dollar und Paare bis zu 600 Dollar. Insgesamt zahlt die Regierung rund 40 Milliarden Dollar Steuergelder zurück.

Wenn auch die Reform als solche in einigen Punkten umstritten ist, gelten zumindest die Rückzahlungen weithin als gelungen. "Einmal hat es der Kongress geschafft, eine antizyklische Fiskalpolitik einzusetzen, die das Wirtschaftswachstum genau dann ankurbeln soll, wenn die Wirtschaft es braucht", lobt Steinberg.

Der Beschluss, Steuern zurückzuzahlen und damit über eine Stärkung der Kaufkraft die Nachfrage anzukurbeln, ist auf Druck der Demokraten entstanden. Die Bush-Regierung wollte das Pferd zunächst über die Angebots-Seite aufzäumen: Steuersenkungen sollten als Instrument dienen, um Leistungs- und Investitionsanreize zu verbessern und dadurch mittel- bis langfristig das amerikanische Wirtschaftswachstum zu steigern. Doch auch US-Präsident George W. Bush hat sich die kurzfristige Nachfrage-Stimulierung längst auf seine Fahnen geschrieben. Der Grund: Bush fürchtet das Schicksal seines Vaters. Der wurde weithin für die Rezession Anfang der 90er Jahre verantwortlich gemacht und abgewählt. Ökonomen rechnen nun damit, dass der Großteil der Rückzahlungen nicht gespart, sondern ausgegeben wird. Zwar neigen Konsumenten dazu, zeitlich begrenzte Erhöhungen des Einkommens in den Sparstrumpf zu stecken. "Da die Rückzahlungen jedoch zusammen mit einer Senkung der Steuersätze einhergehen, erwarten wir, dass die Konsumenten ihre Steuer-Schecks ziemlich schnell ausgeben und helfen, das Wirtschaftswachstum im kommenden Quartal anzukurbeln", meint Christopher Wiegand von Salomon Smith Barney. Zudem ist die Sparquote heute wesentlich geringer als noch vor etwa 30 Jahren und das Konsumentenvertrauen befindet sich auf hohem Niveau.

Die Investmentbank UBS Warburg erwartet daher, dass der private Konsum im vierten Quartal dieses Jahres mit einer Jahresrate von 3,8 Prozent wächst. Ohne Steuersenkung würde das Wachstum nur bei 2,3 Prozent liegen. Zudem ziehen die Steuersenkungen einen Multiplikatoreffekt nach sich: "Wenn die direkten Empfänger von Steuersenkungen ihre Ausgaben erhöhen, werden diese zu Einkommen von anderen, die wiederum selbst das neue Einkommen ausgeben und immer so weiter", erklärt Michael Gregory von Lehman Brothers.

Das Wirtschaftsforschungsunternehmen Macroeconomic Advisers rechnet für das Jahr 2002 mit einer Wachstumsrate von 3,3 Prozent - 0,4 Prozentpunkte davon gelten als unmittelbare Folge der Steuerreform. Michael Gregory von Lehmann Brothers bewertet die Wirkung der Steuerreform sogar als so stark, dass er mit einem Anstieg der bisher moderaten Inflationsrate rechnet. Daher hält er es "für zunehmend wahrscheinlich", dass die amerikanische Zentralbank, Federal Reserve, in absehbarer Zeit die Zinsen anheben wird: "Wir erwarten die erste Zinsanhebung zum Jahreswechsel."

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