Wirtschaft : US-Tabakkonzerne erzielen Sieg über Raucher

NEW YORK (pf).Ein Bundesgeschworenengericht in Akron (Ohio) hat in der Nacht zum Freitag entschieden, daß die vier größten amerikanischen Zigarettenunternehmen für Versicherungsleistungen an erkrankte Raucher nicht haftbar gemacht werden können.114 Krankenkassen hatten die Rückerstattung von Behandlungskosten in Höhe von 665 Mill.Dollar, umgerechnet rund 1,18 Mrd.DM, gefordert.

Der Staat Ohio hätte diesen Betrag unter dem sogenannten Rico-Gesetz auf zwei Mrd.Dollar verdreifachen können.Nach zweitägigen Beratungen entschieden die elf Geschworenen einstimmig, es gäbe keinen Beweis für die Behauptung der Kläger, daß die Unternehmen in einer illegalen Absprache die gesundheitsschädigenden Folgen des Rauchens vertuscht hätten."Die Jury will damit sagen, es wird Zeit, die ständigen Angriffe auf die Tabakfirmen einzustellen", kommentierte Verteidiger Robert Weber das Urteil.

Kaum jemand hatte mit einem Freispruch in dieser Phase des Ohio-Verfahrens gerechnet.Im Februar war der Branchenführer Philip Morris in einem Prozeß in San Francisco, den ein Einzelraucher angestrengt hatte, zu 51,5 Mill.Dollar Schadenersatz verurteilt worden.Der Ohio-Sieg ist insofern von Bedeutung, als in den Vereinigten Staaten etwa 30 ähnliche Klagen anhängig sind.Im Laufe des dreiwöchigen Verfahrens haben die Tabakunternehmen überzeugend argumentiert, die Öffentlichkeit sei mit den Gesundheitsrisiken des Rauchens vertraut gewesen.Die Entscheidung erreichte die New Yorker Börse kurz vor Handelsschluß.Die Aktien von Philip Morris stiegen um 9,8 Prozent auf 42 Dollar.RJR Nabisco Holdings, die Konzernmutter der R.J.Reynolds Tobacco Co, legten 5,9 Prozent auf 30,31 Dollar zu.Bei den beiden anderen Beklagten handelt es sich um Brown & Williamson Tobacco und Lorillard, die zur Loews Corp gehört.Die Zigarettenhersteller haben in ähnlichen von Gewerkschaftskassen angestrengten Klagen Siege davongetragen.Neun von 15 dieser Klagen haben Bundesgerichte niedergeschlagen.Die Versicherungsfonds argumentierten, sie hätten aufgrund der gezahlten Leistungen einen wirtschaftlichen Schaden erlitten.Dieser Argumentation konnten einige Richter nicht folgen.

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