Wirtschaft : US-Wahlen: Euro reagiert kaum auf Bushs Sieg

Der Euro hat am Montag zunächst nur wenig auf die Nachricht reagiert, George W. Bush sei zum Wahlsieger in Florida ernannt worden. Die Gemeinschaftswährung hielt sich zunächst über 0,84 US-Dollar. Als sie am Mittag dann unter diese Marke fiel, hoben mehrere Banken mit Euro-Käufen gegen 14 Uhr den Kurs wieder über die Schwelle von 0,84 Dollar. Das schlagartige Anziehen des Kurses löste sofort Spekulationen aus, die Europäische Zentralbank (EZB) habe mit Interventionen an den Devisenmärkten den Euro gestützt. In den Devisenhandelsabteilungen einiger Großbanken wurde dies jedoch verneint; die Euro-Käufe wurden mehreren Kreditinstituten zugerechnet. Von der EZB war lediglich zu hören: "Kein Kommentar."

Der Markt wartet auf die Ernennung

Die Märkte warteten noch auf die endgültige Ernennung des Nachfolgers von US-Präsident Bill Clinton am 18. Dezember, erklärten einige Händler. Die Märkte rechneten mit weiteren rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Bush und dem Demokraten Al Gore. Andere vertraten die Ansicht, die Wahl Bushs sei in den Kursen bereits enthalten.

Devisenexperten waren davon ausgegangen, dass ein Sieg Bushs den Dollar stärken würde, da die von Bush geplanten massiven Steuersenkungen die Konjunktur ankurbeln und so die Aktienkurse stützen würden. Zudem ist Bush für eine Politik des starken Dollar und daher Händlern zufolge weniger als Gore zu gemeinsamen Stützungskäufen mit der EZB zu Gunsten des Euro bereit. "Bisher haben gute Nachrichten für Bush einen Anreiz gegeben, Euro zu verkaufen. Aber heute haben wir das nicht gesehen", sagte ein US-Händler. Dies zeige, dass die Devisenmärkte nicht bereit seien, zu reagieren, bis einer der beiden Kandidaten zum 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt werde.

Die EZB stellte den Euro-Referenzkurs bei 0,8393 Dollar fest. Ein Dollar kostete damit 2,3303 Mark. Der französische Notenbankpräsident Jean-Claude Trichet bekräftigte auf einem Finanzforum in Japan das Interesse Europas an einem starken Euro und sagte, die anderen EZB-Ratsmitglieder und EU-Finanzminister teilten diese Ansicht. Obwohl der Euro seit seiner Einführung fast 30 Prozent seines Wertes gegenüber dem Dollar verloren hat, bezeichnete Trichet die Gemeinschaftswährung als "Erfolg". Die Auswirkungen der jüngsten Interventionen der Europäischen Zentralbank wollte Trichet jedoch nicht kommentieren. "Interventionen sind Handlungen, keine Wörter. Sie sprechen für sich", sagte er dem Reuters Fernsehen nach seiner Rede.

Auch das weiterhin hohe US-Handelsbilanzdefizit ist nach Ansicht von Devisenanalysten bei Lehman Brothers ein Grund für die verhaltene Reaktion des Dollars. "Die konjunkturellen Perspektiven sind nicht mehr so positiv für den Dollar wie sie es vor ein paar Wochen waren, und die Leute machen sich Sorgen über das Handelsbilanzdefizit", sagte Analystin Francesca Fornasari. Das US-Handelsministerium hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, das amerikanische Handelsbilanzdefizit sei im September auf einen Rekordwert von 34,26 Milliarden Dollar gestiegen.

Aktienkurse legen kräftig zu

Ausgesprochen freundlich war hingegen die Stimmung auf den Aktienmärkten. Doch auch dies mochten dies Beobachter nicht nur auf die Ernennung von Bush zum Wahlsieger in Florida zurückführen. Mit ausschlaggebend seien die guten Vorgaben vom Freitagabend in New York und vor allem aus Tokio gewesen. An der Börse in Japan gewann der Nikkei-Index 2,8 Prozent auf 14 720 Zähler. Gefragt waren vor allem Technologiewerte.

Die deutschen Börsen verzeichneten bis zum Nachmittag satte Gewinne. Die Standardwerte im Dax kletterten um 1,7 Prozent auf 6780 Punkte. Am Neuen Markt stieg der Nemax 50 zeitweise um mehr als fünf Prozent, lag nachmittags dann mit 4,4 Prozent im Plus bei 3764 Zählern. Etwas bescheidener sah es bei den Nebenwerten aus: Der M-Dax stieg um 0,4 Prozent auf 4788.

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