Wirtschaft : US-Wirtschaft: Auf Abwärtskurs

bbl

Nach Ansicht von US-Notenbankchef Alan Greenspan hat die US-Wirtschaft ihre Talsohle noch nicht erreicht. Zwar seien die langfristigen Aussichten weiterhin ermutigend, doch kurzfristig überwögen die Risiken. Greenspan, der am Mittwoch vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses eine überarbeitete Einschätzung der Lage abgab, sagte, die US-Wirtschaft bleibe hinter ihrem Potenzial zurück.

Mit Blick auf die deutlichen Leitzins-Senkungen der Notenbank Ende Januar betonte er: "Selbst nach den Schritten, die wir im Januar unternommen haben, tendieren die Risiken weiter in Richtung einer Entwicklung, die nicht vereinbar mit einer zufriedenstellenden wirtschaftlichen Leistung ist." Beobachter spekulieren daher, dass die Notenbank (Fed) die Leitzinsen noch vor der Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses am 20. März senken könnte.

Die New Yorker Börsen zeigten sich am Mittwoch nach der jüngsten Konjunktureinschätzung des US-Notenbankchefs gut behauptet: Der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte kletterte in New York in den ersten Handelsminuten um 0,44 Prozent auf 10 683 Punkte. Der technologielastige Nasdaq gab allerdings um 0,07 Prozent auf 2214 Zähler nach. Die Aktien am Neuen Markt reagierten auf die erneut schwächere Eröffnung der Nasdaq mit weiteren Kursverlusten. Der Nemax 50 gab bis zum Abend um 1,64 Prozent auf 1988 Punkte nach, nachdem sich der Index von seinen Tagestiefständen erholen konnte.

Unterdessen berichtete das US-Handelsministerium in Washington, dass das Wirtschaftswachtum in den USA im vierten Quartal 2000 den schwächsten Wert seit fünf Jahren erreicht habe. Der Zuwachs belaufe sich nach einer revidierten Rechnung auf 1,1 Prozent. In einer ersten Rechnung waren 1,4 Prozent berichtet worden.

Die jetzt berichtete Wachstumsrate von 1,1 Prozent war die schwächste seit dem zweiten Quartal 1995. Damals legte Bruttoinlandsprodukt der USA lediglich um 0,8 Prozent zu. Gegenüber den Vorquartal im vergangenen Jahr sind die 1,1 Prozent von Oktober bis Dezember ebenfalls eine deutliche Abschwächung: Im dritten Quartal 2000 wurde (ebenfalls nach der ersten Revision) ein Wert von 2,4 Prozent erreicht, im zweiten Quartal sogar von 5,6 Prozent.

Am Vortag hatte die US Conference Board mitgeteilt, dass sich die Stimmung der privaten Haushalte in den USA im Februar weiter verschlechtert habe. Der monatlich ermittelte Index des Verbrauchervertrauens ist um 8,9 auf 106,8 Punkte abgerutscht und hat damit seinen niedrigsten Stand seit Juni 1996 erreicht. Trotz zuletzt wieder gestiegener Arbeitsstunden und einer anhaltend robusten Arbeitsnachfrage beurteilen die Verbraucher ihre gegenwärtige und künftige Situation pessimistischer als im Vormonat. Vor allem die Einschätzung der Beschäftigungsperspektiven hat sich im Februar stark verschlechtert. 27,2 Prozent der befragten Haushalte gegenüber 21,5 Prozent im Januar rechnen mit einer zurückgehenden Arbeitsnachfrage der Unternehmen.

Damit liegt das Verbrauchervertrauen jedoch noch immer weit über seinem Niveau in der Rezessionsphase von 1990/91. Nach Ansicht von Analysten sind vor allem die im Januar stark gestiegenen Konsumentenpreise für das trübe Klima verantwortlich. So hatten etwa die Gaspreise mit 17,4 Prozent kräftig zugelegt. Auch die in den vergangenen Monaten zum Teil heftig zusammengeschrumpften Wertpapier-Portfolios hätten das Stimmung belastet, meint Christoph Harff von DB Research. Für sein Institut sei das Umfrageergebnis jedoch kein Signal für einen anhaltenden Wirtschaftsabschwung, sondern vielmehr eine Korrektur der zuvor erreichten Allzeithochs. Auch das von US-Präsident George W. Bush präsentierte Steuersenkungsprogramm werde die Konjunktur in der Zukunft stützen, hieß es.

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