Wirtschaft : US-Wirtschaft bleibt auf Talfahrt: Trübe Aussichten für amerikanische Technologiefirmen

fmk

Die US-Wirtschaft bleibt auf Talfahrt. Wie am Freitag bekannt wurde, ist die Industrieproduktion in den Staaten unerwartet stark gesunken. Nach einem Rückgang um 0,5 Prozent im Dezember sank sie nun um 0,3 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Erzeugerpreise mit Plus 1,1 Prozent so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das schlechtere Umfeld wirkt sich auf die Gewinnerwartungen der Firmen aus. Vier Technologiekonzerne revidierten ihre Prognosen am Freitag nach unten.

Der unerwartet starke Anstieg der Erzeugerpreise dämpfte die Hoffnungen auf weitere deutliche Zinssenkungen durch die US-Notenbank. Vor allem bei den Technologie-Unternehmen gibt es nun immer weniger Grund zur Annahme, dass sich die Lage in Kürze verbessern könnte. Am Freitag gingen Nortel, Dell, Hewlett-Packard und Novell mit neuen Zahlen an die Öffentlichkeit und kündigten niedrigere Gewinne für 2001 an. Sinkende Verkaufzahlen würden auf die Erträge schlagen, befürchten die Technologie-Firmen. Die Börse reagierte mit deutlichen Kursabschlägen.

Beispiel Nortel Networks. Die Aktie gab um 33 Prozent nach. Das kanadische Unternehmen macht 65 Prozent seiner Umsätze in den USA. Die US-Telefonkonzerne befürchten, dass ihre Kunden demnächst weniger zu zahlen bereit sind. Noch im Januar hatte Nortel ein Wachstum von 30 Prozent angekündigt. Jetzt erwartet der weltweit führende Anbieter von Glasfasertechnik für 2001 nur noch einen Umsatz- und Ergebniszuwachs von 15 Prozent. Um sich wieder fit zu machen, will Nortel in diesem Jahr 10 000 Beschäftigte entlassen.

Hewlett-Packard (HP) erwartet für 2001 ein Ergebnis unter den Marktprognosen. Im ersten Quartal ging bereits der Gewinn zurück. Dies lag jedoch im Rahmen der Erwartungen, nachdem HP erst im Januar die Gewinnerwartung je Aktie von 44 auf 37 zurückgeschraubt hatte. Auch Dell rechnet damit, dass im ersten Quartal der Gewinn nicht so ausfällt wie erwartet. Analysten waren von 19 Dollar je Aktie ausgegangen. Jetzt rechnet der weltweit zweitgrößte Computerhersteller mit einem Ergebnis von 17 Cent je Aktie. Dell kündigte an, 1700 von 40 200 Stellen zu streichen. Der Softwarehersteller Novell erwartet, dass 2001 der Gewinn je Aktie auf ein Drittel zurückgeht.

Noch steigt die Zahl der Jobs

Noch aber wächst die Beschäftigung in den USA ingesamt - trotz der schlechteren Aussichten. "Man muss unterscheiden zwischen Arbeitslosenquote und Beschäftigung", sagt Hubert Strauß, Amerikaexperte am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Zwar sei die Arbeitslosenquote seit September um 0,3 Prozent auf 4,2 Prozent gestiegen. Das liege aber daran, "dass im Januar ungewöhnlich viele Leute auf den Arbeitsmarkt gekommen sind." Knapp eine halbe Million Menschen suchten Arbeit. Dem standen immerhin 260 000 neu entstandene Stellen gegenüber - viel, aber im Januar nicht genug. Die relativ hohe Zahl von Arbeitssuchenden wertet Strauß als Ausrutscher nach oben. Die Entlassungen durch die Technologie-Unternehmen fallen nach Strauß nicht ins Gewicht. "Der Arbeitsmarkt ist so leergefegt, dass schon die Dot.com-Entlassungen absorbiert wurden von den schwungvoll wachsenden übrigen Dienstleistungsbereichen", sagt Strauß. Von Dezember bis Januar entstanden 180 000 Arbeitsplätze bei Dienstleistern.

Für das erste Halbjahr 2001 erwartet Strauß allerdings eine Delle bei der Beschäftigungsentwicklung. Er rechnet damit, dass die Anzahl der Stellen im zweiten Quartal sogar abnimmt. Die Verunsicherung der Verbraucher "könnte auf die Nachfrage durchschlagen. Dann werden auch rasch Leute entlassen", sagt Strauß. Im dritten Quartal könnte aber ein verhaltener Aufschwung dafür sorgen, dass im vierten Quartal die Arbeitslosenquote wieder abnehme.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben