Wirtschaft : US-Wirtschaft übertrifft alle Erwartungen

Bruttoinlandsprodukt wächst um 8,2 Prozent im dritten Quartal – weil die Verbraucher wieder ohne Hemmungen shoppen

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Berlin (brö). Die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten ist zwischen Anfang Juli und Ende September um 8,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Das war der stärkste Anstieg seit mehr als 19 Jahren, teilte das USHandelsministerium am Dienstag in Washington mit. Ursache dafür war eine starke Binnennachfrage. Auch in den kommenden Monaten dürfte sie auf einem hohen Niveau bleiben: Die Stimmung der amerikanischen Verbraucher stieg im November auf den höchsten Wert seit September 2002, teilte das private Institut Conference Board mit.

Ende Oktober hatte das Ministerium das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP), das auf den Jahreswert hochgerechnet wird, auf 7,2 Prozent geschätzt. Dieser Wert musste nun deutlich nach oben revidiert werden. Im zweiten Quartal hatte das Wachstum noch bei 3,3 Prozent gelegen. Die privaten Konsumausgaben nahmen im dritten Quartal um 6,4 Prozent zu – so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr. Rund zwei Drittel des amerikanischen BIP geht auf das Konto des privaten Konsums.

Angespornt wurde die Binnennachfrage offenbar durch die von Präsident George W. Bush durchgesetzten Steuersenkungen, die niedrigen Zinsen und günstigen Preise, etwa auf dem Automobilmarkt. Darauf deutet das Plus von 26,5 Prozent hin, welches das Ministerium für den Absatz dauerhafter Güter meldete. Die Ausgaben auf dem Immobilienmarkt stiegen um 22,7 Prozent. Schwung für die Wirtschaft kam auch von den Unternehmen. Die Investitionen legten im dritten Quartal deutlich um 14 Prozent zu. Besonders deutlich wuchsen die Ausgaben für Software und andere Ausrüstung (18,2 Prozent). Begünstigt wurde der Aufschwung auch durch den schwachen Dollar. Die US-Exporte nahmen im dritten Quartal um elf Prozent zu, nach drei Quartalen des Rückgangs.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board erklärte zudem, dass das Vertrauen der Konsumenten in die Wirtschaftsentwicklung im Vergleich zum Vormonat um zehn Punkte auf 91,7 Zähler gestiegen sei. Die Erwartungen der Analysten wurden damit deutlich übertroffen. Das Institut hatte für die Erhebung 5000 Haushalte befragt.

Die starke US-Wirtschaft könnte auch Deutschland beflügeln, erwartet Udo Ludwig, Konjunkturchef beim Institut für Wirtschaftsforschung Halle. „Der Export wird weiter anziehen, außerdem könnte der Dollar nun wieder an Kraft gewinnen. Das wäre ein zusätzlicher Impuls“, hofft Ludwig. Volkswirte gehen aber nicht davon aus, dass die USA auch weiterhin so stark zulegen werden. „Ein so starkes Tempo durchzuhalten ist auf Dauer unmöglich“, sagt Gerd Haßel von der ING BHF-Bank. „Im vierten Quartal wird das Plus aber immer noch bei 4,5 Prozent liegen.“

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