Wirtschaft : US-Wirtschaft übertrifft sich selbst

Wachstum liegt mit 7,2 Prozent über allen Erwartungen / Unternehmen investieren wieder mehr

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Berlin (fo/hop). Die Erholung in den USA hat sich im dritten Quartal beschleunigt. „Das USWachstum hat die schon hohen Erwartungen übertroffen“, sagte Ulrich Ramm, Chefvolkswirt der Commerzbank, dem Tagesspiegel am Donnerstag. Die Schätzungen der meisten Experten hatten im Vorfeld der Veröffentlichung der aktuellen Zahlen bei etwa sechs Prozent Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP, siehe Lexikon Seite 16) – hochgerechnet auf das Gesamtjahr – gelegen. Herausgekommen waren 7,2 Prozent.

Auch die Börsen zeigten sich zunächst positiv überrascht. Der Deutsche Aktienindex machte bei Veröffentlichung der Zahlen einen Satz nach oben. Mit Eröffnung der US-Börsen am Nachmittag musste er einen Teil der Gewinne abgeben, denn die US-Anleger reagierten verhalten auf die Wachstumsdaten. Hier wurde das Augenmerk auf die zukünftigen Wachstumsraten gelegt. Und die werden weit unter denen des dritten Quartals liegen, denn hier hatten sich eine Reihe von Sondereffekten bemerkbar gemacht.

„Sieben Prozent sind außerhalb jeglicher Diskussion“, sagte Holger Bahr, USA-Experte der Dekabank. Und auch Roger Kubarych von der Hypo-Vereinsbank urteilte: „Ein nachhaltiges Wachstum von sieben Prozent ist nicht möglich.“ Drei Prozent seien realistisch. Bahr rechnet für die kommenden Quartale mit einem Wachstum von jeweils rund 3,5 Prozent. Und Commerzbank-Chefvolkswirt Ramm schätzt das US-Wachstum im kommenden Jahr auf etwa vier Prozent.

Im dritten Quartal hatten Steuererleichterungen durch die US-Regierung für stark gestiegene Konsumentenausgaben gesorgt. Die standen allein für 4,7 Prozentpunkte des Wachstums, schätzte Bahr von der Dekabank. Angefacht wurden die privaten Ausgaben auch durch die Rabattschlacht, die derzeit zwischen den Autoanbietern in den USA ausgetragen wird. Der Effekt der Steuersenkungen dürfte in den kommenden Quartalen nachlassen, schätzen die Volkswirte.

Große Hoffnung legen die Experten daher auf die Investitionen der US-Firmen in Ausrüstung und Software. Die sind im dritten Quartal – umgerechnet auf das Gesamtjahr – um 15,4 Prozent gestiegen. „Das ist ein Zeichen für den Aufschwung“, sagte Ulrich Fritsche, USA-Experte vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). DieVolkswirte sind sich einig: Höhere Investitionen könnten sich bald in mehr Produktion und neuen Jobs niederschlagen. Mehr Beschäftigung würde wiederum die privaten Einkommen erhöhen, zu mehr Konsum führen und so den Aufschwung nachhaltig machen.

Von höheren Investitionen wird auch Deutschland profitieren. Nach Europa sind die USA für die deutschen Maschinenbauer der wichtigste Auslandsmarkt. Allein im vergangenen Jahr exportierten die Betriebe Waren für fast 90 Milliarden Euro, davon 11,5 Prozent in die USA. VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers sieht seine Prognose, dass die Konjunktur der Branche zumindest zaghaft wieder anziehe, durch die US-Zahlen bestätigt. Wiechers ist aber noch vorsichtig. Die Stärke des Euro gegenüber dem US-Dollar sei ein Risiko für den Export. „Wenn es einen Push für die Weltwirtschaft gibt, dann muss er aus den USA kommen.“ Das sieht auch der BDI so. „Wir schaffen keinen wirtschaftlichen Erholungsprozess aus eigener Kraft“, sagte Chefökonom Hans-Peter Haß.

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