Wirtschaft : US-Wirtschaft verliert Schwung

Washington/New York - Die Aufbruchstimmung in der US-Wirtschaft ist dahin. Nach einem ansehnlichen Wachstum von 3,7 Prozent in den ersten drei Monaten des Jahres legte die weltgrößte Volkswirtschaft im zweiten Quartal nur noch um 2,4 Prozent zu. Mit einer Fortsetzung des guten Laufs hatten zwar auch die Ökonomen nicht mehr gerechnet. Doch die am Freitag veröffentlichte Prozentzahl hat auch sie erschreckt. „Die Wirtschaft hatte das zweite Quartal mit einer Menge Schwung begonnen, es aber mit sehr wenig beendet“, sagte der Chefökonom des Forschungsinstituts IHS Global Insight, Nigel Gault, dem Wirtschaftsdienst Bloomberg. Hoffnung auf Besserung sieht er keine, eher im Gegenteil: „Wir erwarten, dass das Wachstum im dritten Quartal schwächer ausfällt.“

Die Rahmenbedingungen sind denkbar schlecht. Die Verbraucherausgaben, von denen die US-Volkswirtschaft zu 70 Prozent abhängt, kletterten im zweiten Quartal lediglich um 1,6 Prozent. In den drei Monaten zuvor waren es 1,9 Prozent gewesen.    US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte die Wirtschaftsaussichten erst kürzlich als „ungewöhnlich ungewiss“ bezeichnet. Experten erwarten, dass die Notenbank Fed den Leitzins nun bis weit ins kommende Jahr hinein bei nahe null Prozent belässt. Das bedeutet, dass sich die Banken das Geld fast zum Nulltarif borgen können – und die Zinsen damit auch für die Kunden niedrig bleiben. Die sollen mit dem billigen Geld investieren und die Wirtschaft ankurbeln.

Die Theorie geht aber nicht auf. Die Unternehmen sparen immer noch. Anders ist nicht zu erklären, dass viele Industriekonzerne Gewinnsprünge verkünden, während ihre Geschäfte dahindümpeln. Viele Börsianer blicken sorgenvoll auf diese Entwicklung. Gewinne lassen sich mit Stellenstreichungen oder Buchhaltungstricks in die Höhe treiben. Um Aufträge müssen die Unternehmen kämpfen.

Erst unlängst hatte die Fed ihre US- Wachstumsprognose nach unten korrigiert. Für 2010 sei nun mit einem Plus zwischen drei und 3,5 Prozent zu rechnen. Besorgniserregend ist der Arbeitsmarkt: Während die Fed am Ende des Jahres eine Arbeitslosenquote zwischen 9,2 und 9,5 Prozent erwartet, sollen es in zwei Jahren noch immer mindestens 7,1 Prozent sein.dpa

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