Wirtschaft : US-Zinssenkung beflügelt Börsen

NEW YORK/ FRANKFURT/MAIN (pf/est).Die überraschende Zinssenkung in den USA vom Donnerstag hat auch an den Börsen der Welt für gute Laune gesorgt und Hoffnungen geschürt, daß die Abwärtstendenz der vergangenen Monate an den internationalen Finanzplätzen zum Stillstand kommt.Der Deutsche Aktienindex DAX schloß nach einem turbulenten Handelstag leicht im Plus.

Zum zweiten Mal innerhalb von gut zwei Wochen hatte die US-Notenbank die Zinsen um jeweils einen Viertelprozentpunkt gesenkt - den Diskontsatz auf 4,75 Prozent und den Zinssatz für kurzfristige Geldgeschäfte auf fünf Prozent.Begründet wurde der Zinsschritt mit der abflauenden Konjunktur in den USA.Der Dow-Jones-Index stieg daraufhin um vier Prozent und eröffnete auch am Freitag wieder freundlich.

Auch die Kurse an den wichtigsten Börsen Europas legten kräftig zu, gingen dann aber - vor allem unter dem Eindruck des nachgebenden Dollars - wieder etwas zurück.In Frankfurt schloß der Deutsche Aktienindex (Dax) am Spätnachmittag bei 4489 Punkten, ein Plus von knapp zwei Prozent.Ein Börsenkursfeuerwerk feierten am Freitag Asiens Finanzplätze.Singapur und Hongkong legten um neun Prozent zu, Indonesien um knapp elf, Thailand um acht und Japan immerhin noch um zwei Prozent.

Die Senkung der Leitzinsen sei "gerechtfertigt, um das Wachstum im Rahmen einer gebremsten Inflation" zu unterstützen, hieß es in einer Erklärung der US-Notenbank.Der Dollar gab deutlich nach und schloß in Frankfurt bei 1,6138 DM.Allerdings erwarten Analysten, daß die US-Währung in den kommenden Monaten wieder etwas zulegen wird, wenn einzelne europäische Staaten die Zinsen senken, um am 1.Januar mit einem einheitlichen Zinssatz in die Währungsunion starten zu können.

Seine Sorgen über eine drohende Rezession in den USA hatte Notenbankchef Alan Greenspan bereits vorige Woche zum Ausdruck gebracht.Die Grundlagen der amerikanischen Wirtschaft seien zwar in Ordnung, nur die Psychologie sei angsterregend.Die Fed müsse deshalb wachsam sein, sagte Greenspan.Im Statement, daß die Notenbank am Donnerstag herausgab, heißt es, daß die Zurückhaltung der Kreditgeber und die Marktturbulenzen zu einer Abschwächung der Gesamtnachfrage führen dürften.Auf diesem Hintergrund habe man eine geldpolitische Lockerung für notwendig angesehen.

Auf die globale Finanzlage nahm die Fed-Erklärung nicht Bezug.Die Zinssenkung ist deswegen nach Meinung des Volkswirts David Jones vom Handelshaus Aubrey Lanston kein Aufruf an die Bundesbank oder andere Zentralbanken zu einer koordinierten Zinssenkungsrunde."Wenn Greenspan die Zinsen senkt, geht es ihm um die Wirtschaft zu Hause", sagte Jones.Greenspan handelte unter zunehmendem Druck großer und kleiner Aktienbesitzer.Sie hatten nach Fed-Statistiken seit dem Gipfel des Dow Jones im Juni Vermögenswerte in Höhe von 1,3 Billionen Dollar verloren.Mit dem Beinahe-Kollaps des Risikofonds Long-Term Capital Management im September geriet die Notenbank dann weiter unter Handlungszwang.Die Zentralbankiers mußten dem Fonds mit hastig eingesammelten 3,8 Mrd.Dollar den Rettungsring zuwerfen.

An der Wall Street rechnet man im Laufe der kommenden Monate mit weiteren Zinssenkungen.Wird der Zinsbeschluß die anstürmenden Pessimisten überzeugen und den Weg zu einer neuen Hausse freischlagen? Gretchen Rodkey vom Maklerhaus Bear Stearns meint, daß die "alten Ängste zurückkehren, von denen der Markt seit einiger Zeit heimgesucht wird, wenn die erste Eurphorie verflogen ist."

In Asien kehrt indes wieder Hoffnung ein: "Asiens Währungen sind stabil, der Konsum zieht wieder an", begründet Tom Schroeder, Chefanalytiker bei dem französischen Brokerhaus Société Générale SG in Bangkok, die Börsenhausse."Doch die treibende Kraft hinter dem Trend", sagt Schroeder, "sind solidere Grundlagen." Investoren hätten generell wieder etwas Vertrauen in Asien.Weitere Knicke würden folgen, doch der Konsum ziehe sachte an und der US-Dollar habe seit dem Kurssturz gegenüber dem Yen quer durch die Region an Boden verloren."Niedrigere US-Zinsen erleichtern die Last von Auslandschulden, die auf asiatischen Unternehmen lasten", sagt Andrew Fernow vom Brokerhaus Vickers Ballas in Hongkong.

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