Wirtschaft : US-Zinssenkung: Die Renten sind sicherer

Bernd Hops

Die überraschende Senkung der Leitzinsen in den USA hat den Aktienmärkten wieder Auftrieb gegeben. Die Kurse von Rentenpapiere gaben daraufhin etwas ab. Doch bleiben Festverzinsliche weiter wichtig für eine ausgewogene Anlage: Sie bieten enttäuschten Aktien-Käufern eine Alternative, zumal die weiteren Aussichten von den meisten Analysten vorsichtig positiv gesehen werden. Waren vor wenigen Jahren noch Bundesschatzbriefe die bevorzugte Anlageform der meisten Sparer, haben ihnen Aktien den Rang abgelaufen. Doch nach dem schlechten Abschneiden von Dax, Dow Jones und Nikkei im Jahr 2000 dürfte so mancher bereuen, seine Schatzbriefe verkauft zu haben.

Auch wenn die aktuelle Rendite von etwa 4,8 Prozent bei Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit oder fünfjährigen Pfandbriefen auf den ersten Blick mager erscheint, die Erträge sind dafür sicher. Die Deutsche Bank und die Bankgesellschaft Berlin raten Anlegern daher, etwa die Hälfte ihres Geldes in Rentenpapiere zu stecken, obwohl sie eine Erholung der Aktienmärkte erwarten.

Denn auch in diesem Jahr sind die Zeichen für die weitere Entwicklung der Rentenmärkte gut - besonders in Europa. Zum Jahresanfang gingen die Preise wegen besonders schlechter Konjunkturzahlen in den USA bereits in die Höhe, die Renditen gaben dementsprechend nach. Deshalb rät Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus & Burkhardt für die nächsten Wochen noch zur Zurückhaltung: "Es ist mit Gewinnmitnahmen zu rechnen." Mittelfristig ist er aber für den deutschen Rentenmarkt optimistisch. "Der stärkere Euro und der gefallene Ölpreis haben die Inflationsgefahr deutlich verringert." Daher werde die Europäische Zentralbank ebenfalls im Laufe der kommenden Monate die Zinsen senken. Dementsprechend sei über das Jahr mit deutlich steigenden Kursen bei Renten zu rechnen, die die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 4,5 Prozent drücken könnten.

Längerfristig orientierte Anleger sollten - trotz aller Kursschwankungen nach der US-Zinssenkung - im Moment mit dem Kauf von Anleihen jedoch nicht warten. "Das lohnt sich in der Regel nicht", sagt Maria Klein von der Bankgesellschaft Berlin. Schließlich verzichte man in der Zeit auf Zinsen. Ist es geplant, das gekaufte Papier bis zur Endfälligkeit zu halten, sollte man allerdings genau auf die Rendite achten.

Doch nicht nur für sicherheitsorientierte Sparer sind die Rentenmärkte interessant. Für risikobewusste Anleger bieten sich ebenfalls Gelegenheiten, von Unternehmensanleihen bis hin zu höher verzinslichen Papieren in Fremdwährungen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten. "Unternehmensanleihen sind sehr stark von den einzelnen Firmen abhängig", warnt Stefan Schilbe. Die Kurse ihrer Papiere hängen davon ab, wie ihre Kreditwürdigkeit von den internationalen Rating-Agenturen eingeschätzt wird. "Da sollte man schon auf eine gute Bewertung achten", rät Maria Klein. Spekulativ sind daher Telekom-Anleihen, die über sechs Prozent bringen. Aber die Branche sei unter besonders genauer Beobachtung der Agenturen, sagt Helmut Kaiser von der Deutschen Bank. Weitere Abwertungen seien zu befürchten.

Bei Fremdwährungen sollte der Anleger ebenfalls genau hinschauen. Da der Euro deutlich stärker geworden ist, hält Schilbe Dollar- oder Pfund-Papiere für nicht empfehlenswert. Kaiser bewertet dagegen polnische und ungarische Anleihen als verhältnismäßig solide. "Die Fundamentaldaten sind gut. Und wegen der kontrollierten Abwertung der Landeswährungen ist das Risiko überschaubar." Zudem locken hohe Renditen von 14 bis 17 Prozent. Bloß wer sich am Neuen Markt gerade die Finger verbrannt hat, sollte besser bei Bundesanleihen oder Pfandbriefen bleiben.

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