Wirtschaft : USA: Das Gespenst der Rezession bleibt uns

Catherine Hoffmann

Einen kurzen Moment blieb den Anlegern das Herz stehen. In den USA ist die Arbeitslosenquote im April auf 4,5 Prozent gesprungen, im März waren es noch 4,3 Prozent. Der Konjunkturzyklus schlägt mit voller Wucht auf den amerikanischen Arbeitsmarkt durch. Damit hatten nur die größten Pessimisten gerechnet. Die Entlassung tausender von Mitarbeiter ist nicht länger eine beunruhigende Meldung, die über den Bildschirm flimmert, sie ist schockierende Realität. Statt - wie erwartet - 20 000 neue Arbeitsplätze zu schaffen, wurden weit über 200 000 Stellen vernichtet. Die Märkte reagierten entsetzt: Der Dow Jones Index plumpste um ein Prozent, zehnjährige US-Staatsanleihen verbuchten die größten Wochengewinne seit zwei Jahren. Kluge Investoren, die die Unberechenbarkeit der Börse fürchten, haben sich bereits in den vergangenen Tagen von Wall Street zurückgezogen. Sie erwarten, dass die Aktien in den kommenden Tagen ihre alten Tiefstände testen werden, und und vermuten darin eine günstige Einstiegschance. Hoffentlich geht die Rechnung auf. Falls aber der Anstieg der Arbeitslosigkeit die Abwärtsspirale der Konjunktur verstärkt, sieht es für Verbraucher, Unternehmer und Investoren düster aus. Die US-Konsumenten, ohnehin schon hoch verschuldet, stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie können sinkende Einkommen nicht länger mit neuen Krediten kompensieren. Das wird eine Wirtschaft, die ihre Kraft zu 70 Prozent aus dem Konsum zieht, empfindlich schwächen. Jetzt wird sich wieder aller Hoffnung darauf richten, dass Alan Greenspan einen weiteren Schluck aus der Zinspulle nimmt. Doch der kostbare Saft geht langsam zur Neige - und die Kernrate der Inflation steigt langsam, aber stetig.

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