USA : Dollar schwach, Aktien fest

Die billionenschwere Intervention der US-Notenbank ließ die Papiere weltweit anziehen - weckt aber gleichzeitig Inflationsangst.

264514_0_64a4b56c.jpg

Berlin/Frankfurt am MainBerlin/Frankfurt am Main - Die Entscheidung der US-Notenbank, rund eine Billion Dollar für den Kauf von Staatsanleihen und Ramschhypotheken auszugeben, hat am Donnerstag die Kurse des Euro und von Staatsanleihen kräftig angeschoben. Auch Finanzaktien waren weltweit sehr gefragt. So stiegen etwa die Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank zeitweise um jeweils rund elf Prozent. Der Dax kletterte zuletzt um 1,2 Prozent auf 4043 Punkte.

Die europäische Gemeinschaftswährung zog bis auf 1,3694 Dollar an, womit sie etwa fünf Cent über dem europäischen Vortagesniveau notierte. Händler begründeten die Dollar-Verkäufe mit der Befürchtung, den USA könnte eine höhere Inflation bevorstehen, weil die Notenbank mit ihrer Intervention die Geldmenge nach oben treibe. Steigende Aktienkurse signalisierten, dass die Anleger wieder mehr Risiken eingingen.

Die amerikanische Zentralbank Fed will ab Ende nächster Woche langlaufende Staatsanleihen für bis zu 300 Milliarden Dollar ankaufen. Da der amerikanische Leitzins bereits auf Null gesunken ist, versucht die Notenbank nun auf diesem Wege, die Kapitalmarktzinsen zu senken. Damit sollen die Kreditkonditionen für Verbraucher und Unternehmen verbessert und Konsum und Investitionen erleichtert werden. Auch will die Fed bereits laufende Programme zum Ankauf hypothekenbesicherter Anleihen um bis zu 750 Milliarden Dollar nahezu verdoppeln. Der Ankauf von Ramschhypotheken entlastet jene Banken, die „toxische Papiere“ in ihren Bilanzen verbucht und deshalb großen Wertberichtigungsbedarf haben. Die Entlastung, so hofft die Fed, könnte die Geldhäuser zu einer Lockerung der Kreditvergabe veranlassen.

Nach der Entscheidung der US-Notenbank könnte der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) wachsen, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen. „Das Ausmaß der Krise wird der EZB keine andere Wahl lassen“, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans- Böckler-Stiftung, Gustav Horn, dem „Handelsblatt“. Auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sprach von einem „erhöhten Druck“ auf die EZB, ebenfalls direkt Anleihen aufzukaufen, nachdem die britische und die amerikanische Notenbank die Notenpresse angeworfen hätten. Die EZB habe das grundsätzlich nicht ausgeschlossen, sagte Krämer dem „Handelsblatt“ und fügte hinzu: „Droht eine echte Kreditklemme – noch ist sie in den Daten nicht zu sehen – dürfte die EZB zu diesem letzten Mittel greifen.“

Volkswirte sind eher skeptisch, ob die EZB zu einer „quantitativen“ Lockerung der Geldpolitik greifen darf – also nicht nur zu einer Senkung der Leitzinsen. Sie verweisen darauf, dass die Zentralbank keine Kredite an den Staat vergeben darf. Indirekt wäre dies mit dem Aufkauf von Staatsanleihen aber verbunden. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bekannte unlängst zwar, man diskutiere über solche Schritte, ließ aber den Zeitpunkt für eine Entscheidung offen. Ohnehin stünde davor eher noch eine erneute Senkung des Leitzinses von derzeit 1,5 Prozent auf möglicherweise 1,0 Prozent. ro/mot/HB

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben