Wirtschaft : USA fordern globale Energiewende

Ölminister Bodman drängt auf stärkere Nutzung der Kernkraft – Brüssel setzt lieber auf Einsparungen

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Paris/Düsseldorf Die US-Regierung hat die Internationale Energieagentur (IEA) aufgefordert, sich für klarere Prioritäten in der globalen Energiepolitik einzusetzen. Angesichts der hohen Ölpreise forderte US-Energieminister Samuel Bodman die IEA auf, ihre Mitglieder zum Einsatz von Alternativen zum Öl zu drängen: vor allem von Atomenergie und sauberen Kohlekraftwerken. Damit zielte er vor allem auf aufstrebende Wirtschaftsländer wie China und Indien.

Die Energieagentur, die über die strategischen Ölreserven der Industrieländer wacht, müsse „Prioritäten“ setzen und Initiativen ergreifen, sagte Bodman am Rande der IAE-Ministertagung in Paris. Gleichzeitig wies er auf die unterschiedlichen Antworten der USA und der EU auf die Energiekrise hin: „Wir verfolgen nicht den gleichen Ansatz“. Während die Amerikaner vor allem die Angebotsseite mit Steuererleichterungen fördern wollen, setzt die EU auf Energie-Sparen und erneuerbare Energien. Dennoch sieht Bodman Möglichkeiten zur Zusammenarbeit, beispielsweise bei der Entwicklung von sauberen Kohlekraftwerken.

In Paris bekundeten die Minister ihre Sorge, dass die steigende Ölabhängigkeit und die hohen, volatilen Preise die Weltwirtschaft schwächt. Seit 1999 ist der Preis für ein Barrel Rohöl (159 Liter) von rund zehn Dollar auf fast 50 Dollar gestiegen. Die weltweite Ölförderung habe die Grenze der verfügbaren Kapazitäten nahezu erreicht, warnte Bodman.

In Europa läuft die Forschung am Kohlendioxid-freien Kohlekraftwerk zwar auf Hochtouren, erst vor wenigen Tagen hat die EU-Kommission eine entsprechende Initiative gestartet. Dennoch fährt sie eine andere Energiepolitik als die USA. „Auf der Bezugsseite haben wir nur einen begrenzten Spielraum, daher müssen wir unsere Anstrengungen bei der Nachfrage verstärken“, sagte EU-Energiekommissar Andris Piebalgs. Dank effizienterer Energie-Verwendung hält er es für möglich, dass die EU bis 2010 ihren Ölverbrauch um bis zu 500 Millionen Barrel pro Jahr verringern kann.

Trotz der eingeleiteten Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs rechnen die Experten der IEA mit einem erheblichen Investitionsbedarf in den kommenden 25 Jahren: Um die Nachfrage zu decken, müssten bis zu 16 Billionen Dollar aufgebracht werden. Dabei gebe es besonders im Ölbereich Nachholbedarf, sagte IEA-Direktor Claude Mandil. Frankreichs Industrieminister Patrick Devejian schlug vor, dass die EU Anreize setzt, in neue Raffinerie-Kapazitäten zu investieren. Vor allem bei den neuen EU-Mitgliedern gäbe es Nachholbedarf.

US-Präsident George W. Bush hatte erst vor einer Woche eine Initiative gestartet, die den Produzenten von Kohle, Gas, Erdöl und Atomstrom in den nächsten zehn Jahren Steuervorteile in Höhe von 8,1 Milliarden Dollar einräumt. Damit soll der Bau neuer Kraftwerke angekurbelt und die Abhängigkeit der USA von Ölimporten vermindert werden. Teil des einschließlich aller Vergünstigungen zwölf Milliarden Dollar umfassenden Pakets sind auch die umstrittenen Ölbohrrechte in einem Naturschutzgebiet Alaskas. ali/juf/tom/HB

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