Wirtschaft : USA: Großfusion beim Kabelfernsehen

Walter Pfaeffle

Der US-Kabel-TV-Betreiber Comcast will 58 Milliarden Dollar für AT & T-Breitband New York zahlen. Die Kabelfernsehgesellschaft Comcast hat den Aktionären des Konkurrenten AT & T für dessen Kabelfernsehbereich in der Nacht zum Montag ein Übernahmeangebot im Wert von 44,5 Milliarden Dollar (etwa 106 Milliarden Mark) unterbreitet. Zusätzlich will Comcast 13,5 Milliarden Dollar Schulden von AT & T übernehmen. An der Wall Street stand der Deal am Montag im Mittelpunkt des Geschäfts. Die Comcast-Titel waren die am meisten gehandelten Papiere.

Comcast mit Sitz in Philadelphia ist der drittgrößte US-amerikanische Anbieter von Kabel-TV-Diensten und führend in der Breitbandtechnologie. Mit dem Kauf von AT & T Broadband würde Comcast weltweit zur Nummer eins im Kabelfernsehbereich aufrücken. Comcast wählte den Weg eines feindlichen Angebots, nachdem monatelange Verhandlungen mit dem AT & T-Management erfolglos geblieben waren.

"AT & T hat zurzeit keine Pläne, den Breitbandbereich zu verkaufen und ist auch an einer Transaktion mit Comcast nicht interessiert", erklärte AT & T-Sprecherin Eileen Connolly. Gleichwohl wird man das Angebot prüfen, wie im weiteren verlautbarte. Comcast-Präsident Brian Roberts erklärte in einem Brief an AT & T-Vorstandschef Michael Armstrong, dass die Aktionäre von AT & T mit dem Verkauf an Comcast eine deutlich höhere Wertsteigerung erzielen würden als mit der geplanten Ausgliederung des Bereichs.

AT & T arbeitet im Moment daran, seine vier Firmenteile - Mobilfunk, Dienstleistungen für Geschäftskunden, Breitbandaktivitäten und Ferngespräche - auf eigene Beine zu stellen. Erst am Montag wurde die Mobilfunksparte offiziell unter dem Namen AT & T Wireless Services in die Unabhängigkeit entlassen. Der drittgrößte Mobilfunkanbieter der USA wird nun getrennt von AT & T an der Börse gehandelt. Das Unternehmen gilt jedoch schon jetzt - ähnlich wie die Breitbandsparte- als potenzieller Übernahmekandidat.

Analysten zeigten sich von dem Comcast-Angebot nicht überrascht. Schließlich sei es nach der Ankündigung von AT & T im vergangenen Herbst, sich von der Idee eines Komplettanbieteres für Kommunikation zu verabschieden und sich aufspalten zu wollen, nur noch eine Frage der Zeit gewesen, wann es zu Kaufgeboten für die einzelnen Teile kommen würde.

Brian Roberts und sein Vater Ralph, der Comcast 1963 gegründet hatte, haben offensichtlich große Pläne im Breitbandbereich. In den letzten drei Jahren hat Brian Roberts mit Übernahmen für insgesamt 16 Milliarden Dollar Comcasts Abonnentenzahl auf 8,4 Millionen Kunden fast verdoppelt.

AT & T ist derzeit mit mehr als 13 Millionen Abonnenten der größte Kabelnetz-Betreiber der USA. Gelingt der Kauf des AT & T-Bereichs, wäre Comcast auf einen Schlag mit 22 Millionen Abonnenten fast zweimal so gross wie AOL Time Warner. Im Rahmen des Angebots würden die AT & T-Aktionäre Comcast-Aktien im Wert von 12,60 Dollar für jeden ihrer Scheine erhalten und sie behielten AT & Ts Telekommunikationsaktivitäten, die 70 Milliarden Dollar wert sind. AT & Ts Schulden in Höhe von 13,5 Milliarden Dollar würde Comcast mit der Ausgabe neuer Aktien finanzieren. Brian Roberts sei auch bereit, die AT & T-Beteiligung bei AOL Time Warners Time Warner Entertainment, Cablevision Systems und und dem Programmanbieter Rainbow Media zu kaufen, heißt es in einer Comcast-Mitteilung.

Die Offerte an AT & T zeigt, dass Roberts nicht vor Riesen-Deals zurückschreckt. Im März 1999 hatte Comcast für die Media-One Group 60 Milliarden Dollar in Aktien und Schuldenübernahme geboten, doch die Firma ging an AT & T, deren Gegenofferten - mehr wert war. AT & T hat in den letzten Jahren in die Übernahmen von Media-One und davor Tele-Communications über 100 Milliarden Dollar investiert. Nun will Comcast für beide Firmen nur etwas mehr als die Hälfte zahlen.

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