Wirtschaft : USA: Kommentar: Die Sorge der Notenbanker wächst

Ursula Weidenfeld

Die US-Notenbank hat am Dienstag erneut die Zinsen gesenkt. 2,5 Prozent verlangt die Notenbank nun noch für Übernachtkredite. Damit sind die Zinsen auf den niedrigsten Stand seit 40 Jahren gesunken. Doch die Zinspolitik der Fed scheint erstmals seit zehn Jahren ihre Wirksamkeit verloren zu haben. Die Märkte zeigten sich nicht nachhaltig beeindruckt. Zu Recht. Denn wie groß die Risiken für die US-Wirtschaft sind, zeigt die Andeutung der Notenbanker, dass es Spielraum für weitere Zinssenkungen gebe - obwohl bei einem Satz von 2,5 Prozent die Handlungsspanne schon sehr begrenzt ist. Auch das neue Konjunkturprogramm, das die US-Regierung nun auflegen will, macht deutlich, wie stark die Verunsicherung seit den Anschlägen vom 11. September ist. Die Investitionen ziehen nicht an und der private Konsum zeigt deutliche Schwächen; kaum noch jemand fragt einen Kredit für ein neues Auto nach.

Dazu kommt, dass seit September alle Prognosen zur US-Wirtschaft Makulatur sind. Noch weiß niemand, wie die Verbraucher am Ende auf die Anschläge reagieren werden. Noch kann niemand sagen, ob die Angestellten der Fluggesellschaften, die jetzt ihren Job verlieren, einen neuen finden. Und noch kann auch niemand sagen, ob die Aktienkurse nun fair bewertet sind, oder ob es einen neuen Kursrutsch geben wird, wenn weitere Unternehmen ihre Erwartungen nach unten korrigieren müssen. Auch weitere Zinssenkungen werden verpuffen, so lange diese Verunsicherung nicht beseitigt ist: Die Entscheidung über eine langwierige Rezession in den USA ist noch nicht gefallen.

Die Frage, wann sich die US-Wirtschaft aus der Krise erholt, ist zwar nicht erst seit den Terroranschlägen vom 11. September offen. Die ursprünglich für Anfang 2002 erwartete konjunkturelle Wende jedenfalls war schon vor den Attacken der Terroristen in Zweifel gezogen worden. Doch die dichte Abfolge von Zinssenkungen und Konjunkurprogrammen zeigt, dass auch die Regierung und die Notenbank nun sehr nervös sind. Auf Hilfe aus Japan und Europa können die USA kaum hoffen: Erstmals seit den 30er Jahren bewegen sich alle großen Volkswirtschaften im Gleichklang nach unten.

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