USA : Passive Passanten lassen Unfallopfer liegen

Vor den gleichgültigen Augen von Passanten wird ein 78-jähriger Mann in der US-Stadt Hartford überfahren. Die Fahrer flüchten und die Umstehenden gaffen, statt zu helfen.

WashingtonDer von einer Überwachungskamera gefilmte Unfall sorgte am Freitag landesweit für Entsetzen. Das anderthalbminütige Video zeigt, wie der Rentner Angel Arce Torres in einem belebten Viertel von Hartford im Bundesstaat Connecticut nacheinander von zwei Fahrzeugen angefahren wurde. Der alte Mann, der gerade Milch gekauft hatte, wurde beim Überqueren der Straße erfasst, durch die Luft geschleudert und blieb regungslos liegen. Die beiden Autos, die einen dritten Wagen überholt hatten, rasten weiter und verschwanden in einer angrenzenden Straße. Wegen des Gegenlichts waren die Nummernschilder nicht lesbar. Die Polizei sucht die Unfallflüchtigen nach wie vor.

Eine Gruppe von Fußgängern wurde Zeuge des Unfalls - ohne zu reagieren, dem Opfer zu helfen oder zu versuchen, den Verkehr zu stoppen. Neun Autos fuhren an dem Schwerverletzten vorbei, ein neugieriger Motorradfahrer umrundete ihn sogar einmal und fuhr dann weiter. Er sei entsetzt von der "unmenschlichen" Reaktion der Passanten, sagte der Polizeichef von Hartford, Daryl Roberts, bei der Vorstellung des Videos am Mittwoch. Der Sohn von Torres sagte bei der Pressekonferenz, sein Vater kämpfe im Krankenhaus um sein Leben. Dann musste er unter Tränen abbrechen.

Die Behörden von Hartford, Hauptstadt von Connecticut im Nordosten der USA, erklärten am Donnerstag, in der Minute nach dem Unfall am vergangenen Freitag seien vier Anrufe bei den Rettungskräften eingegangen, die Helfer seien schnell vor Ort gewesen. Psychologen sagten im Fernsehen, das passive Verhalten der Passanten sei nicht außergewöhnlich. Gerade in dicht besiedelten städtischen Gebieten, wo es die Menschen gewöhnt seien, ihre Mitmenschen nicht zu beachten, werde die Verantwortung "abgegeben", sagte Elise Labbe-Coldsmith von der Universität von South Alabama. (ck/AFP)

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