USA : So niedrig, dass er kaum auffällt

Matthias Krause
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Den staatlichen, viele Jahre stagnierenden Mindestlohn von 5,15 Dollar auf 5,85 Dollar (etwa vier Euro) zu erhöhen, gehörte zu den wenigen Wahlkampfversprechen, die die Demokraten nach Übernahme des Kongresses im Herbst 2006 innerhalb von 100 Tagen durchsetzten. Und auch das gelang ihnen gegen den Widerstand des Weißen Hauses und der Republikaner nur durch einen Trick. Sie hängten den „Fair Minimum Wage Act“ (Gesetz für einen gerechten Mindestlohn) an ein Gesetz, das unverzichtbare Kriegsausgaben vorsah.

Nun soll der Mindestlohn in zwei weiteren Schritten bis 2009 auf dann 7,25 Dollar pro Stunde ansteigen. Es ist den einzelnen Bundesstaaten dabei freigestellt, Regelungen einzuführen, die die Arbeitnehmer noch besser stellen. Derzeit hat der Bundesstaat Washington mit 8,07 Dollar den höchsten Mindestlohn. Gleichzeitig gibt es Ausnahmen für Berufe, in denen hohe Trinkgelder anfallen und für Angestellte von Kleinunternehmen.

Die amerikanische Debatte um Mindestlöhne reicht zurück bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. 1912 führte der Bundesstaat Massachusetts als erster einen Mindestlohn für Frauen und Kinder ein, bald folgten 13 weitere US-Bundesstaaten. 1933 wurde der erste landesweite Mindestlohn (0,25 Dollar pro Stunde) verabschiedet.

Die ökonomischen Folgewirkungen der Regelung sind bis heute umstritten. Während ihre Befürworter keine negativen Impulse für den Arbeitsmarkt sehen, weil der Mindestlohn so niedrig ist und kaum greift, macht etwa das von den Republikanern beherrschte Joint Economic Committee den Mindestlohn für die hohe Arbeitslosigkeit von schlecht Ausgebildeten, Schwarzen und Teenagern mitverantwortlich. Matthias Krause

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