USA und Europa : Freihandelsabkommen könnte Deutschland 160.000 Jobs bringen

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung sieht hohes Potenzial für den deutschen Arbeitsmarkt in einer Freihandelszone zwischen Europa und den USA. Besonders profitieren würden die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und Europa könnte Deutschland nach einer Expertenstudie bis zu 160.000 neue Jobs und höhere Einkommen für viele Beschäftigte bringen.

“Nahezu alle Branchen in allen Bundesländern würden profitieren, und zu erwartende Lohnzuwächse verteilten sich über alle Einkommensgruppen“, lautete das Fazit einer am Freitag veröffentlichten Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und des Ifo-Instituts in München. “Gewinnen würden nicht nur Großkonzerne, sondern insbesondere der Mittelstand“, fügte der Vorstandschef der Stiftung, Aart De Geus, hinzu.

Verhandlungen könnten sich jahrelang hinziehen

Unterhändler der EU und der USA hatten vor wenigen Wochen Verhandlungen über einen umfassenden Abbau von Handelsschranken zwischen den beiden wirtschaftlich fortgeschrittensten Regionen der Welt aufgenommen. Sie könnten sich nach Schätzungen von Wirtschafts- und Politik-Experten aber über Jahre erstrecken.

Würden Handelshemmnisse umfassend abgebaut, würden nach der Studie massenweise Arbeitsplätze auf allen Qualifikationsstufen geschaffen. Rund 85.000 neue Arbeitsplätze im produzierenden, aber auch 75.000 im Dienstleistungsbereich seien möglich. Profitieren würden vor allem Bundesländer, deren Wirtschaft stark im Export in die USA sind, wie Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Zudem sehen die Experten die Chance, dass die Realeinkommen in Deutschland dadurch steigen könnte - und zwar um Größenordnungen bis zu knapp einem Prozent.

"Entscheidend ist die Akzeptanz der Bevölkerung"

“Entscheidend wird sein, ob ein Freihandelsabkommen auch die Akzeptanz der Bevölkerung findet“, mahnte De Geus. Daher müsse in den Verhandlungen auch dem Verbraucher- und Arbeitnehmerschutz Rechnung getragen werden. Experten sehen diesen Bereich wie den ökologischer Standards als einen an, der in den Verhandlungen besonderen Konfliktstoff beinhaltet.

Die Bertelsmann Stiftung hatte erst kürzlich in einer parallelen Untersuchung mit anderen Partnern ermittelt, dass das Freihandelsabkommen für die USA insgesamt rund eine dreiviertel Millionen neue Jobs mit sich bringen könnte. Für die Vereinigten Staaten sprach sie von einem Einkommenszuwachs für einen Vier-Personen-Durchschnittshaushalt von 865 Dollar pro Jahr, den eine Vereinbarungen bringen könnte, für Europa könnte der Zuwachs bei fast 720 Dollar im Jahr liegen.

Die USA und die EU stehen für 45 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und über ein Drittel des globalen Handelsvolumens. (Reuters)

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