Wirtschaft : USA und Japan erzielen Einigung

Handelskrieg in letzter Minute abgewendet / Hafensperre ausgesetzt

WASHINGTON/TOKIO (AFP).Angesichts eines drohenden Handelskriegs haben die USA und Japan ihren Schiffahrtsstreit am Freitag in letzter Minute entschärft.Vertreter der beiden Nationen teilten nach einer Marathonsitzung in Washington mit, sie hätten eine Einigung in Grundzügen erzielt.Details müßten zwar noch ausgearbeitet werden, doch seien die Aussichten für eine Übereinkunft gut.Die USA hatten mit einer Hafensperre für Schiffe von drei japanischen Großreedereien gedroht, von denen sie Strafgebühren in Millionenhöhe fordern.Die US-Marinebehörde setzte diese Sperrung amerikanischer Häfen für japanische Schiffe nun zunächst aus. Hintergrund des Streits sind von den Vereinigten Staaten monierte Auflagen und bürokratische Hemmnisse für US-Frachter in japanischen Häfen.US-Präsident Bill Clinton und Japans Regierungschef Ryutaro Hashimoto begrüßten die Einigung.Auch der japanische Reederverband zeigte sich zufrieden, forderte jedoch erneut den Verzicht auf die Strafgebühren.In die gleiche Richtung äußerte sich das japanische Verkehrsministerium. Der US-Verhandlungsführer Stuart Eizenstat verkündete am Freitag abend nach stundenlangen Beratungen mit dem japanischen Botschafter in den USA, Kunihiko Saito, einen "Durchbruch", der "hoffentlich zu tiefgreifenden Reformen" führen werde.Die Einigung sehe vor, daß Japan die Vergabe von Genehmigungen zum Anlaufen seiner Häfen bedeutend vereinfachen und eine unabhängige Behörde zur Überwachung der Arbeitsabläufe in den japanischen Häfen einrichten werde.Die noch offenen Fragen würden möglicherweise bis Sonntag abend geklärt, hieß es in Washington.Bislang dürfen US-Reedereien in Japan nicht selbst entscheiden, welches Unternehmen sie mit dem Löschen ihrer Frachter beauftragen, noch über den Preis dafür verhandeln.Nach Angaben des US-Instituts für wirtschaftliche Strategien erhöht dies die Kosten enorm.Sie liegen 25 bis 100 Prozent höher als in allen anderen Häfen der Welt. Der Vorsitzende der japanischen Reedervereinigung, Kentaro Kawamura, bekräftigte am Sonnabend in Tokio, die von der US-Schiffahrtsbehörde FMC verhängten Strafgebühren seien "unbegründet".Bekräftigte aber: "Es ist gut für uns, daß die US- Sanktionen abgewendet werden konnten." Ein Vertreter des Tokioter Verkehrsministeriums äußerte die Hoffnung, daß alle Sanktionen gegen die drei Reedereien nun aufgehoben würden.Die FMC fordert von den japanischen Großreedereien Strafgebühren in Höhe von angeblich rund 4 Mill.Dollar (umgerechnet etwa 7 Mill.DM).Diese waren am Mittwoch fällig geworden, nachdem Tokio den ultimativen Forderungen der USA nach einer Lockerung seiner bürokratischen Hemmnisse für US-Frachter nicht nachgekommen war.Die FMC betonte am Freitag, die Zahlung der Strafe sei unerläßlich für eine Beilegung des Streits. Rund 400 unter japanischer Flagge fahrende Frachtschiffe gehen jährlich in US-Häfen vor Anker, um Ladung zu löschen oder aufzunehmen.Der Seehandel zwischen den beiden Ländern hat ein jährliches Volumen von umgerechnet rund 315 Mrd.DM. Die Handelsbeziehungen zwischen beiden Staaten sind seit Jahren vom riesigen Handelsdefizit der USA im Geschäft mit Japan belastet.Es beläuft sich derzeit auf über 50 Mrd.Dollar.Washington versucht, den asiatischen Handelspartner vor allem in den Bereichen Automobil, Luftfahrt, Film- und Fotomaterial sowie Computer zu einer stärkeren Öffnung seiner Märkte für US-Produkte zu bewegen.Die japanische Zeitung "Asahi Shimbun" kritisierte anläßlich des Schiffahrtstreits am Samstag die Regierung, weil sie die nötige Deregulierung nicht energisch genug vorantreibe.

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