USA will Ausweitung auf Europa : Was ein Verbot von Laptops im Flugzeug bringen würde

Auch in Europa sollen Laptops im Handgepäck verboten werden. Wie gefährlich sie sind ist umstritten, die Kosten eines Verbots wären aber immens.

von und Oliver Voss, Frank Jansen
Bald könnten Laptops aus dem Handgepäck verschwinden Foto: Reuters/Joey Penney
Bald könnten Laptops aus dem Handgepäck verschwinden Foto: Reuters/Joey PenneyFoto: null

Die USA werden das Laptop-Verbot auf Flügen in die Vereinigten Staaten wohl auch auf Europa ausdehnen. Der Sprecher des US-Heimatschutzministeriums, David Lapan, nannte eine Ausweitung des Verbots nicht allein auf Europa, sondern auf weitere Regionen „möglich“.

Am Mittwoch gab es in Brüssel Gespräche über das mögliche Laptop-Verbot. An der Runde nahmen unter anderem EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos, Verkehrskommissarin Violeta Bulc und von US-Seite die Vize-Heimatschutzministerin Elaine Duke teil.

Trump-Skandal wegen Geheimdienstinformationen zu Anschlägen mit Laptops

Welche Gefahr von den tragbaren Rechnern ausgeht, ist aber umstritten. Die Erkenntnisse der US-Geheimdienste, die der Entscheidung zugrunde liegen, sind nur wenigen bekannt. Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump für Aufregung gesorgt, als er dem russischen Außenminister Sergej Lawrow streng vertrauliche Geheimdienstinformation verraten hatte – dabei soll es um die Anschlagspläne mit Laptops gegangen sein.

Deutsche Sicherheitskreise halten die Gefahr eines Anschlags mit einem Laptop aber für durchaus real. Verwiesen wird auf eine Terrorattacke vom Februar 2016 in Somalia. Kurz nach dem Start in Mogadischu hatte ein Passagier in einem Airbus der dschibutischen Fluggesellschaft Daallo einen Sprengsatz gezündet, der sich mutmaßlich in einem Laptop befand. Die Explosion riss ein zwei Meter großes Loch in die Außenwand der Maschine, der Täter wurde hinausgeschleudert. Die Piloten behielten jedoch das Flugzeug im Griff und kehrten nach Mogadischu zurück. Zu dem Anschlag bekannte sich die somalische Terrormiliz Al Schabaab. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass eine Überwachungskamera auf dem Flughafen Mogadischu den Attentäter aufgenommen hatte, als er von zwei Männern ein Notebook entgegennahm. In Großbritannien war nach der Einführung des Laptop-Verbots über einen aufgedeckten Anschlagplan berichtet worden, bei dem eine Bombe in einem imitierten iPad versteckt war. Laut Sicherheitskräften sei es von einem echten Tablet kaum zu unterscheiden gewesen.

Zweifel am Nutzen von Laptop-Verbot

Trotzdem zweifeln Sicherheitsexperten an dem Nutzen einer Verbannung von Tablets und Laptops aus dem Handgepäck. Ein mit Sprengstoff gefülltes Notebook werde nicht weniger gefährlich, wenn es im Frachtraum einer Maschine liege, hieß es. Fraglich sei zudem, ob die Airport-Kontrolle von Gepäck effektiver sei als die bei Passagieren. Erwähnt wird dabei der Anschlagsversuch, den der Al-Qaida-Ableger im Jemen im Oktober 2010 inszeniert hatte. Die Terrororganisation präparierte Luftfracht mit sprengstoffgefüllten Druckerpatronen. Die Paketbomben sollten in Frachtflugzeugen über den USA explodieren. Die Sprengsätze – einer wurde auf dem Flughafen Köln/Bonn unerkannt umgeladen – gelangten jedoch nur bis zu Flughäfen in Großbritannien und Dubai, wo Sicherheitspersonal sie entdeckte.

Auch die International Air Transport Association lehnt eine Ausweitung des Mitnahmeverbots auf die europäischen Flughäfen ab. Dies würde die Sicherheit nicht erhöhen, den Passagieren aber jährlich finanzielle Nachteile in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar bescheren, sagte IATA-Generaldirektor Alexandre de Juniac. Sein Verband repräsentiert 265 Luftverkehrsgesellschaften und damit 83 Prozent des weltweiten Luftverkehrs.

Kosten von mehr als einer Milliarde Dollar

Eine Ausweitung des Verbots würde rund 390 Flüge am Tag und jährlich 31 Millionen Passagiere betreffen, die von europäischen Flughäfen in die USA reisen. Die IATA geht davon aus, dass sich die Reisezeit durch das Einsammeln der Geräte und deren Rückgabe pro Passagier um durchschnittlich neun Minuten verlängern wird. Allein der wirtschaftliche Schaden für Reisende in der First und Business Class, die 13 Prozent des Gesamtaufkommens ausmachen und während des Fluges nicht mehr arbeiten könnten, wird auf 655 Millionen Dollar geschätzt.

70 bis 80 Prozent aller Passagiere führen elektronische Geräte mit. Der gebündelte Transport würde auch wegen der brandanfälligen Lithium-Ionen-Batterien ein Risiko darstellen. So wären die Fluggesellschaften womöglich gezwungen, spezielle, feuerfeste Container zu beschaffen. Die IATA schlägt dagegen intensivere Kontrollen vor. Auch die Unterscheidung zwischen Passagieren von hohem oder geringem Risiko, beispielsweise unter Einbeziehung von Vielfliegerprogrammen, sollten ausgebaut werden, fordert der Verband.

Autor

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben