Utz Claassen : "Ich bin über jeden Zweifel erhaben"

Utz Claassen kündigt an, in die Politik zu gehen. Vorher stellt er noch sein neues Buch vor - zusammen mit Thomas Oppermann.

Fritz Zimmermann
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Berlin - „Mein Buch ist ein Plädoyer gegen das Weichgespülte, gegen die Weichgespülten und gegen die Weichspülenden“, sagt Utz Claassen. Der frühere Top-Manager hängt breitbeinig im Ledersessel. „Unbequem“ heißt das Buch, das er hier vorstellt: Es ist ein Erfolgsratgeber, die Kapitel sind mit Handlungsaufforderungen überschrieben, wie zum Beispiel „Denke das Undenkbare“. Es ist sein viertes Werk – und wäre nicht weiter beachtenswert, hätte Claassen nicht zu Beginn der Woche angekündigt, in die Politik zu gehen; und würde nicht neben ihm Thomas Oppermann von der SPD sitzen, der sich trotz Koalitionsgesprächen die Zeit nimmt, Claassen zu sekundieren.

Der 50-jährige Claassen ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft. Er gilt als erfolgreicher Sanierer von Seat und EnBW. Häufig endeten seine Engagements aber im Streit. Im Jahr 2010 erhielt er als Vorstandsvorsitzender bei Solar Millennium neun Millionen Euro Antrittsprämie, und blieb ganze zwei Monate. Das Unternehmen ging insolvent und forderte das Geld von Claassen zurück. Der wiederum klagte in den USA wegen Rufschädigung und forderte 265 Millionen Dollar Schadensersatz. Im April dieses Jahres zogen beide Seiten ihre Forderungen zurück.

Nun also die Politik. Warum Claassen ein Amt anstrebt, wird an diesem Abend indes nicht so richtig klar. Immer, wenn er nach dem Warum gefragt wird, antwortet er nicht, sondern analysiert, was die Politik in der Vergangenheit falsch gemacht habe. Überhaupt geht es erstaunlich wenig um die Zukunft bei ihm, gemessen daran, dass er Politiker werden und Leute überzeugen will.

Stattdessen erklärt Claassen mehrfach, dass er es schon immer besser gewusst habe: Wäre man seinen Vorschlägen für die Energiewende gefolgt, die Firmen hätten Milliarden gespart. Bei der Euro-Krise, so sagt er, nehme er für sich in Anspruch, diese bereits 2009 vorausgesehen zu haben. Und schon vor 20 Jahren habe er jeden zweiten Chefposten mit einer Frau besetzt: „Ich glaube, da bin ich über jeden Zweifel erhaben.“

Ein toller Kerl, findet auch Thomas Oppermann: Claassen sei ein Top-Sanierer, den er um seine Intelligenz beneide. Die beiden kennen sich seit 1997, als Claassen Vorstandschef bei Sartorius wurde und Oppermann Abgeordneter in Niedersachsen war. Claassen wiederum lobt Oppermann als „unbequemen“ Politiker. Wenn ein Kabinett nur aus solchen Menschen bestünde, könne er sich auch ein Ministeramt vorstellen. Eines angeboten bekommt Claassen von Oppermann allerdings nicht.

Ob Claassen für seinen Einstieg in die Politik eine neue Partei gründen oder in eine bestehende eintreten will, werde er „zu gegebener Zeit bekannt geben“. Sein Vater sei fast ein halbes Jahrhundert in der SPD gewesen. Erstaunlich ist, dass Claassen überhaupt in Parteistrukturen denkt, hatte er doch zuvor eine „Parteien-Diktatur“ in Deutschland beklagt. Es müsse sich etwas ändern, stellt er fest. „Das Grundproblem in unserer Gesellschaft ist, dass wir immer dann, wenn es schwierig wird, abtauchen.“ Die Frage ist, wie ausgerechnet Utz Claassen das ändern soll.

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