Uwe Foullong, Verdi : "Viele Bankberater halten den Druck nicht aus"

Verdi-Vorstand und Commerzbank-Aufsichtsrat Uwe Foullong über Renditen und Regulierung.

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Foto: Thilo Rückeis

Herr Foullong, haben die Banken aus der Krise gelernt? Werden Sie als Kunde besser behandelt?



Keine Bankengruppe hat aus der Krise besonders viel gelernt, egal ob es die Genossenschaftsbanken, die Privatbanken oder die Sparkassen sind. Alle haben den Vertriebsdruck auf ihre Beschäftigten aufrechterhalten oder erhöht. Von den Kundenberatern werden unrealistische Umsätze erwartet. Bei den Genossenschaftsbanken ist es besonders schlimm. Sie wollen Mitarbeiter bestrafen, wenn diese ihre Ziele nicht erfüllen. Den Beschäftigten sollen bis zu 14 Prozent – das sind zwei Gehälter pro Jahr – gestrichen werden.

Und das machen Sie mit?


Keineswegs. Wir machen gemeinsam mit den Beschäftigten Druck. Wir wollen einen Tarifvertrag mit den Genossenschaftsbanken schließen.

Wie ist das bei den anderen Banken?

Wir haben im privaten Bankgewerbe einen Tarifvertrag, nach dem die Gehälter bis zu acht Prozent im Jahr – das ist ein Monatsgehalt – flexibilisiert werden könnten. Das ginge nur mit einer freiwilligen Betriebsvereinbarung. Betriebsräte und Beschäftigte haben das bisher abgewehrt.

Kann ein Bankberater seine Kunden überhaupt ehrlich beraten?

Die Bankangestellten wollen ihre Kunden ehrlich beraten – im Interesse der Kunden. Das wissen wir aus einer Internetbefragung. Aber die Berater bekommen Zielvorgaben, teilweise unrealistisch hohe Vorgaben, und die Maßgabe, bestimmte Produkte zu verkaufen. Es gibt ein ganz rigides Controlling, in dem überprüft wird, ob sie das schaffen. Falls nicht, werden sie von ihren Vorgesetzten unter Druck gesetzt, teilweise mit verbalen Entgleisungen und der Androhung von Abmahnungen, Versetzungen oder sogar Entlassungen. Der Umgang in der Bank ist teilweise menschenunwürdig. Die Beschäftigten werden gezwungen, den Kunden Papiere zu verkaufen, die sie nicht wollen oder brauchen. Viele Berater halten diesen Druck nicht aus und werden krank.

Das erinnert an Drückerkolonnen.

Ja, genauso ist es. Mit seriöser Beratung hat das nichts zu tun. Wir fordern von den Banken, dass sie die Verkaufsvorgaben, die an ein bestimmtes Produkt geknüpft sind, abschaffen und den menschenunwürdigen Umgang mit den Beschäftigten einstellen. Notfalls muss das gesetzlich verboten werden.

Sie sitzen selbst im Aufsichtsrat einer Bank, die durch Staatshilfen gerettet wurde. Ist bei diesen Banken eine andere Kultur eingezogen?

In einigen staatlich gestützten Banken gibt es eine gewisse Nachdenklichkeit. Ein radikales Umdenken und Handeln vermisse ich bei allen Bankengruppen. Herr Ackermann meint, eine 25-prozentige Eigenkapitalrentabilität müsse sein und sei machbar. Wir begrüßen, dass sich die Sparkassen von ihrem Ziel der 15-prozentigen Eigenkapitalrendite verabschieden wollen. Wir müssen weg von unrealistisch hohen Zielen und einer Shareholder-Value-Politik, die allein im Interesse des Aktionärs Gewinne macht und zulasten der Arbeitnehmer und Kunden geht.

Der Staat hat den Bankensektor mit Steuergeldern massiv unterstützt. Hätte die Regierung mehr Einfluss nehmen müssen auf die Geschäftspolitik der Institute?

Ja. Außer ein paar Veränderungen bei Eigenkapitalvorschriften ist nicht viel passiert. Wir fordern, dass die Bundesregierung ein Gesetz schafft, in dem untersagt wird, dass man den Kundenberatern produktbezogene Verkaufsziele abverlangt.

Was noch?

Wir fordern schon lange, einen Finanz-Tüv einzuführen. Ein Grund für diese Krise waren die vielen spekulativen Finanzprodukte. Wir brauchen eine Stelle, die diese Produkte prüft, bevor sie auf den Markt kommen. Produkte, die negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaft haben könnten, werden nicht zugelassen. Angesiedelt sein könnte ein Finanz-Tüv bei der Bankenaufsicht Bafin.

Die Kanzlerin hat sich für die Einführung einer internationalen Transaktionssteuer ausgesprochen. Kann Deutschland eine solche Steuer auch allein einführen?

Diese Steuer ist ein wesentliches Element um Spekulationen einzudämmen und ein Kerninstrument zur Vermeidung künftiger Finanz- und Wirtschaftskrisen. Die Regierung darf das Thema nicht auf die lange Bank schieben. Auch andere Länder wollen das einführen. Mit denen sollte Deutschland Fakten schaffen. Notfalls sollten wir allein eine Börsensteuer einführen. Es ist nicht einzusehen, dass wir auf alle Produkte Mehrwertsteuer zahlen, nur nicht für Finanzprodukte.

Uwe Foullong (52) ist seit 2004 Mitglied im Verdi-Bundesvorstand. Er sitzt im Aufsichtsrat der Commerzbank. Mit ihm sprachen Miriam Schröder und Heike Jahberg.

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