Uwe Hück : Ein Leben bei Porsche und die Wurst auf dem Brot

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück ist 50 Jahre alt. Das reicht für eine Autobiografie, die so ist wie er: laut, angeberisch und oft kitschig.

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Im Rückblick war das ein verdammt schwieriges Leben, sagt der 50-jährige Hück. Zumindest die ersten Jahrzehnte. „Ich habe mich hochgeboxt.“ Foto: dapd
Im Rückblick war das ein verdammt schwieriges Leben, sagt der 50-jährige Hück. Zumindest die ersten Jahrzehnte. „Ich habe mich...Foto: dapd

Berlin - Von „einer meiner Kampfhandlungen“ spricht der glatzköpfige Rabauke, und er meint nicht seine Erfolge als Thaiboxer. Es geht um den Weihnachtsfrieden im Herbst 1993; Porsche- Chef Wendelin Wiedeking ist gerade dabei, die Firma zu sanieren, er will das Weihnachtsgeld streichen. Die Belegschaft ist sauer. „Ich muss wohl am lautesten geschrieen haben, als Ferry Porsche den Werkshof betrat“, erinnert sich Uwe Hück. „Mein Bub, was machst du denn da?“, fragt das hochbetagte, schmale Männlein den Kraftprotz. Der Bub erklärt dem weltberühmten Konstrukteur das Motiv des Ausstands und man verständigt sich: Uwe und Kollegen arbeiten weiter und Wiedeking zahlt das Weihnachtsgeld. Der Kampf ist gewonnen. Fünf Jahre später, im Frühjahr 1998 hält Hück am Grab Ferry Porsches eine Trauerrede und verspricht bei der Gelegenheit den Hinterbliebenen, immer für die Firma kämpfen zu wollen.

Kämpfen, reden, laut reden, kämpfen – das ist Uwe Hück, „ein schwäbisches Heimkind, verheiratet mit einer Vietnamesin, deren Familie aus China vertrieben wurde“.

Hück ist im Mai 50 geworden. Und hat sich gedacht, es sei an der Zeit für eine Autobiografie (Volle Drehzahl, Campus Verlag, 19,99 Euro). Geholfen hat ihm dabei Thomas Wark, Sportreporter beim ZDF. Die beiden verbindet das Engagement in der „Initiative Respekt! Kein Platz für Rassismus“. Wark dürften die Ohren geglüht haben bei den Gesprächen mit Hück. Und es dürfte viel zu lachen und zu weinen gegeben haben bei den Geschichten aus dem Leben eines Kämpfers.

Uwe wuchs in drei Kinderheimen auf und erinnert jene Jahre als „System der Sklaverei“. Dagegen hält er Jähzorn und Muskelkraft. Ein Lehrer fällt „unsanft auf den Boden“, als sich Uwe wehrt. Zur Strafe landet er in „Einzelhaft“. Uwe wird mutiger und agiert nun wie seine „Brüder im Geiste, Winnetou und Robin Hood“. Er verlangt gleiche Wurstrationen für alle im Heim – und bekommt sie. Ein erster Erfolg, ohne Fäuste erreicht, an den er sich später in Tarifverhandlungen erinnert. „Die Wurst muss aufs Brot, für alle!“

Uwe lernt Maler in Pforzheim, will als Thaiboxer Karriere machen und landet dann aber, weil er Geld braucht, als Lackierer bei Porsche. Das war Mitte der 80er. Nachdem er einen „menschenverachtenden Vorarbeiter“ am Kragen gepackt hat, ist die Karriere als Betriebsrat nicht mehr zu stoppen. Hück wird auch Aufsichtsrat und 2007 stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats. „Jetzt war ich ganz oben.“ Und dann kam die größte Herausforderung, die Übernahmeschlacht zwischen Porsche und VW, die am Ende doch der Goliath gewann.

Hier liest man erstaunlich wenig über die Protagonisten, Wendelin Wiedeking und Wolfgang Porsche auf der einen, Martin Winterkorn und Ferdinand Piëch auf der anderen Seite. Für Piëch, den Großstrategen und Porsche-Miteigentümer, fallen ihm nur eine Handvoll Sätze ein. Die Beziehung zu ihm sei „intakt“, die Eigenständigkeit Porsches habe der Alte ihm „in die Hand versprochen“. Deutlich mehr Platz, ein ganzes Kapitel, bekommt Thilo Sarrazin, der die Porsche-Belegschaft mit seinen Thesen in „Deutschland schafft sich ab“ in Wallung gebracht habe. „Ich bin verantwortlich für eine Belegschaft, die sich aus über 50 Nationalitäten zusammensetzt. Mir kann dieser Scharlatan nicht erzählen, dass wir unser Land aufs Spiel setzen.“

Hück ist laut, angeberisch und oft kitschig. Aber er ist kein Schwätzer, sondern ein Schaffer, der sich für die Porsche-Kollegen ebenso einsetzt wie für schwierige Jugendliche und die SPD. „Du musst anpacken.“ So einfach ist das. Alfons Frese

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