Wirtschaft : Vage Hoffnungen an den Märkten

WASHINGTON/FRANKFURT AM MAIN (rtr).Hoffnungen, die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) könnte die Zinsen senken, haben am Donnerstag zu kräftigen Kurssteigerungen an den internationalen Aktienmärkten geführt, die jedoch nicht in allen Fällen bis zum Schluß gehalten werden konnten.Auch in Frankfurt (Main) kletterte der Deutsche Aktien-Index (Dax) vorübergehend, während die Diskussion um die richtige Wirtschaftspolitik und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit weiterging.

Alan Greenspan zeigte einmal mehr, wer der Herr über die internationalen Finanzmärkte ist.Der Gouverneur der Fed hatte in seiner Rede vor dem US-Haushaltsausschuß am Mittwoch abend erklärt, die US-Inflation werde durch die Krise auf den internationalen Finanzmärkten "mehr als ausreichend" im Zaum gehalten.Die Krise des internationalen Finanzsystems sei bei weitem noch nicht ausgestanden, sagte Greenspan weiter.Die Federal Reserve müsse bald handeln, um die weltweiten Turbulenzen an den Finanzmärkten zu bekämpfen.

Zwar machte Greenspan keine direkten Zinssenkungsverprechen, sondern verwies auf die Zuständigkeit des OffenmarktAusschusses, doch sofort deuteten Analysten seine Äußerungen als Ankündigung einer Zinssenkung.In der Wall Street reagierten die Aktien mit deutlichen Kursgewinnen.Der Dow-Jones-Index für die 30 wichtigsten Industriewerte schoß um fast 260 Punkte oder über drei Prozent in die Höhe und schloß schließlich bei 8154,41 Punkten.Berichte über die Rettungsaktion für einen US-Hedge-Fund verunsicherten jedoch.Groß- und Investmentbanken mußten dem angeschlagenen amerikanischen Spezialfonds Long-Term-Capital Management L.P.nämlich mit nicht weniger als 3,5 Mrd.Dollar (rund 5,9 Mrd.DM) unter die Arme greifen.In Frankfurt (Main) erreichte der Dax zwar ein frühes Tageshoch von 4859,96 Punkten, büßte dies aber bis zum Ende des Präsenzhandels wieder ein und schloß niedriger als am Vortag.

Noch ist die Zeit offensichtlich zu früh: Der dauerhafte Aufwärtstrend bleibt aus, und die Umsätze blieben dementsprechend gering.Auch wurden vielfach Warnungen laut.Nicht zuletzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin warnte vor überzogenen Konjunkturerwartungen.Das Wirtschaftswachstum könne im kommenden Jahr durchaus unter zwei Prozent liegen, so die Wissenschaftler.Auch Bundeskanzler Helmut Kohl korrigierte die Wachstumsprognosen inzwischen nach unten.Drei Tage vor der Bundestagswahl sagte Kohl, er sehe den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr bei 2,7 Prozent und im kommenden Jahr in der Nähe von 2,5 Prozent.Vor wenigen Tagen hatte Kohl für das laufende Jahr Raten von 2,5 bis 2,8 Prozent vorhergesagt und für das komende Jahr 2,9 Prozent prognostiziert.Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt hatte demgegenüber noch am Mittwoch seine Ansicht bekräftigt, das Wachstum werde trotz der Krisen in Rußland und in Asien in diesem wie im kommenden Jahr jeweils um drei Prozent zulegen.

Kohl hatte weiter erklärt, er gehe davon aus, daß die Zahl der Arbeitslosen inzwischen unter vier Millionen gesunken sei.Der Deutsche Gewerkschaftsbund warf hingegen dem Kanzler vor, er übertreibe bei der Zahl der offenen Stellen.Die von ihm genannte 1,5 Millionen sei eine "Phantomzahl".

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar