Vattenfall : 80.000 Krümmel-Brennstäbe kommen unter die Lupe

Der Stromkonzern Vattenfall zeigt sich aktiv: Alle Brennelemente im Pannen-Meiler Krümmel werden zerlegt, um die möglicherweise von Metallspänen verursachten Schäden an Brennstäben aufzuspüren.

Krümmel
Das Brennelementlagerbecken im Kraftwerk Krümmel. -Foto: dpa

BerlinIn seinem abgeschalteten Atomkraftwerk Krümmel begann Vattenfall mit der Überprüfung aller rund 80.000 Brennstäbe. Das Unternehmen will sämtliche Stäbe untersuchen, weil mindestens einer davon als defekt gilt. Die im Reaktorkern befindlichen Brennelemente enthalten das für die Energiegewinnung erforderliche Uran.

Mit dem Kurzschluss bei einem Transformator, der am 4. Juli zur Reaktor-Abschaltung geführt hatte, hat die Prüfung laut Vattenfall aber den Erkenntnissen nach nichts zu tun. Die jüngsten Pannen an dem Meiler und danach bekannt gewordene Versäumnisse Vattenfalls hatten eine intensive Debatte über die Sicherheit der Atomkraftwerke ausgelöst, selbst die atomkraftfreundliche Union ging auf Distanz zu Vattenfall.

Das Unternehmen dementierte am Montag zunächst einen Bericht des SPIEGEL, wonach vor dem Wiederanfahren Mitte Juni nach zweijährigem Stillstand aus Zeitgründen das Durchspülen von Rohrverbindungen unterblieben sei. Das Spülen dient dazu, den Reaktor vor Fremdkörpern wie Metallspänen zu schützen.

"Alle vorgesehenen Reinigungs- und Schutzmaßnahmen wurden auch durchgeführt", sagte eine Konzernsprecherin. Sie bestätigte, dass im Reaktor Metallspäne gefunden wurden. Experten hätten sie so weit wie möglich mit Spezialwerkzeug herausgeholt. Möglicherweise seien aber immer noch Späne in der Anlage. "Das sogenannte Fremdkörper-Fretting ist weltweit die häufigste Ursache für Brennstab-Schäden", sagte die Sprecherin.

Im Zuge der Aufklärung mehrerer Pannen der vergangenen Wochen war vor Tagen bekannt geworden, dass mehrere der Brennstäbe beschädigt sind und unter den 80.000 Brennelementen gefunden werden müssen.

Je nach Reaktortyp variieren die Brennelemente nach Bauweise und Größe. Im Siedewasserreaktor Krümmel bilden nach Angaben des Betreibers jeweils 90 bis 95 Brennstäbe eins von 840 dort vorhandenen Brennelementen mit jeweils etwa 190 Kilogramm Uran.

Drei Jahre oder länger können die Brennelemente Energie liefern, dann gelten sie als abgebrannt. Nach einem festgelegten Plan in den einzelnen Kernkraftwerken wird jeweils ein Teil der Brennstäbe durch neue ersetzt. Dazu werden die Atommeiler vom Stromnetz getrennt.

Nach einer etwa einjährigen Abkühlphase in einem Wasserbecken kommen die alten Brennstäbe in ein Zwischenlager oder in die Wiederaufarbeitung.

Energiewirtschaft und die rot-grüne Bundesregierung hatten sich auf einen Ausstieg aus der Kernenergie geeinigt und für die Kraftwerke Restlaufzeiten vereinbart. Dieser so genannte Atomkonsens besteht bis heute. Während die SPD die Atomkraft seit langem insgesamt infrage stellt, konzentriert sich die Union nach den Pannen von Krümmel in ihrer Kritik ausschließlich auf den Betreiber des Kraftwerkes: "Insbesondere nach den Vorfällen von vor zwei Jahren hätte man doch erwarten dürfen, dass man daraus die richtigen Lehren zieht", sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla.

2007 war Krümmel nach einem Transformatorenbrand vom Netz gegangen, Vattenfall tauschte damals seine Führung aus. Den Atomkonsens stellt die CDU jedoch nicht zur Debatte. Hessens Ministerpräsident Roland Koch, zugleich stellvertretender CDU-Chef , sagte zur Frage nach einem Festhalten an längeren AKW-Laufzeiten, dass es "keinen Anlass zur Korrektur" gebe. Jedoch müsse jedes Kernkraftwerk nach dem Stand von Sicherheit und Technik geprüft werden. (tst/dpa)


0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben