Wirtschaft : Vattenfall hat Angst vor der Politik

Der Gewinn stieg im vergangenen Jahr deutlich. Doch die Regulierungspläne von Bundesregierung und EU könnten teuer werden

Alfons Frese

Berlin - Der Energiekonzern Vattenfall sieht skeptisch in die Zukunft. „Ab 2008 kommt die Branche insgesamt in verdammt raue See“, sagte Klaus Rauscher, Vorstandsvorsitzender von Vattenfall Europe, am Montag in Berlin. Der Chef der deutschen Tochter des schwedischen Vattenfall-Konzerns äußerte sich besorgt wegen diverser Regulierungspläne, die derzeit in Brüssel und Berlin erarbeitet werden. Dazu gehört die Verteilung von CO2-Zertifikaten, die Kartellrechtsnovelle des Bundeswirtschaftministers und die Kraftwerksanschlussverordnung. In Brüssel erwägt die EU-Kommission, den Stromerzeugern die Stromnetze wegzunehmen. „Es kommt knüppeldick“, meinte Rauscher. Allein die Veränderungen bei der Zuteilung von CO2-Zertifikaten könnte dazu führen, dass Vattenfall Zertifikate für 25 Millionen Tonnen zukaufen müsste. Bei einem Tonnenpreis von 20 Euro, den Rauscher mittelfristig für möglich hält, wäre das eine Belastung von 500 Millionen Euro.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Regulierungsmaßnahmen das Unternehmen mit rund 320 Millionen Euro belastet. Und zwar schlug in der Größenordnung die Kürzung der Netznutzungstarife durch die Bundesnetzagentur zu Buche. Die Behörde hatte eine Kürzung der Nutzungsgebühren um bis zu 18 Prozent verordnet. In der Folge sanken nicht nur die Erlöse, sondern es wurden auch Abschreibungen auf die Netze fällig, da diese an Wert verloren. Trotz dieser Belastung erhöhte sich das operative Ergebnis vor Steuern 2006 um 219 Millionen auf 1,35 Milliarden Euro. Diese Verbesserung wurde Rauscher zufolge dank den Geschäftsbereichen Erzeugung und Fernwärme sowie den deutlich gestiegenen Preisen an der Leipziger Strombörse erreicht.

Unter anderem mit den Preisen der Strombörse begründet Vattenfall die Erhöhung der Strompreise um 6,5 Prozent zum 1. Juli. Rauscher zufolge kommt der Schritt ein halbes Jahr nach entsprechenden Erhöhungen der Wettbewerber.

In Berlin müssen damit rund 1,8 Millionen Haushalte mehr für ihren Strom bezahlen. Vattenfall kommt damit auf einen Marktanteil von rund 85 Prozent, wie Vertriebsvorstand Hans-Jürgen Cramer sagte. Knapp zwei Prozent der Kunden seien im vergangenen Jahr zu einem anderen Stromanbieter gewechselt. „Der Markt ist von einer relativ großen Wechselbereitschaft geprägt“, sagte Cramer. In Berlin gebe es bis zu 80 Wettbewerber, die zum Teil aggressiv auftreten würden. Rauscher und Cramer kündigten den bundesweiten Verkauf von Vattenfall-Strom via Internet ab 1. Juli an. Im ersten Jahr sollen dadurch rund 10 000 neue Kunden gewonnen werden.

Trotz unsicherer politischer Rahmenbedingungen bekräftigte Rauscher die Investitionspläne des Konzerns. Im Mittelpunkt stehen dabei neue Kraftwerke im sächsischen Boxberg, in Hamburg und in Berlin. In der Hauptstadt will Vattenfall ein mit Braunkohle oder Gas betriebenes Kraftwerk für die Strom- und Wärmeversorgung von 800 000 Haushalten bauen.

Da Braunkohle mit Abstand das meiste Kohlendioxid (CO2) in die Luft entlässt, hatten die Pläne eine heftige Debatte in der Stadt ausgelöst. Rauscher sprach nun davon, man habe „die Diskussion entschleunigt“ und noch Zeit bis zur Entscheidung. Der Konzern würde gerne ein Gaskraftwerk bauen, „aber dafür braucht man langfristige Konditionen“. Spätestens 2015 soll das Kraftwerk in Betrieb gehen. Zur Klimaproblematik bekräftigte Rauscher das Ziel eines CO2-freien Kraftwerks bis 2015. Im kommenden Jahr geht eine Pilotanlage in Betrieb.

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