• Vattenfall macht Milliardenverlust Abschreibungen belasten Jahresbilanz Immer mehr Strom mit Atomkraft und Braunkohle produziert

Wirtschaft : Vattenfall macht Milliardenverlust Abschreibungen belasten Jahresbilanz Immer mehr Strom mit Atomkraft und Braunkohle produziert

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Kohle statt Windkraft: Rund acht Prozent mehr Strom als 2012 hat Vattenfall im vergangenen Jahr mit Braunkohle produziert. Foto: Imago
Kohle statt Windkraft: Rund acht Prozent mehr Strom als 2012 hat Vattenfall im vergangenen Jahr mit Braunkohle produziert. Foto:...Foto: imago/Johannes Koziol

Berlin - Beim Energieanbieter Vattenfall behauptet man gern, man sei vorne mit dabei bei der Energiewende. Der tiefere Blick in die am Dienstag vorgelegten Jahreszahlen für 2013 offenbart, dass das schwedische Staatsunternehmen sich tatsächlich immer mehr zum Kohle- und Atomkonzern entwickelt. So erzeugte Vattenfall im vergangenen Jahr knapp 88 Terawattstunden (TWh) in seinen fossilen Kraftwerken, das waren fast acht Prozent mehr Strom als im Vorjahr. Vattenfall verweist unter anderem auf gute Auslastung seines neuen Kohlekraftwerks im sächsischen Boxberg. Zudem produzierte das Unternehmen gut sechs Prozent mehr Strom in Kernkraftwerken: Knapp 52 TWh, das war die zweithöchste Strommenge in 40 Jahren Atomstromproduktion.

Die klimafreundliche Produktion aus Wasserkraft ging derweil um mehr als 18 Prozent zurück – auf knapp 36 TWh. Die sonstige regenerative Erzeugung mit Windparks, Biomasse- und Müllverbrennungsanlagen stieg nur minimal auf gut sechs TWh. Diese Entwicklung im Stromerzeugungsmix dürfte jene Stimmen in Schweden stärken, die einen Rückzug aus Kontinentaleuropa und Großbritannien und eine Besinnung auf die CO2- arme Erzeugung aus Wasser- und Kernkraft fordern. Das schwedische Wort Vattenfall bedeutet „Wasserfall“.

Das Unternehmen hat zum Jahresbeginn die organisatorischen Voraussetzungen dafür geschaffen und sich in zwei Einheiten gespalten. Vattenfall Nordic betreibt das Heimatgeschäft in Schweden, Finnland und Dänemark. Die Einheiten in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden wirtschaften unabhängig davon, das Polen-Geschäft ist bereits verkauft. Konzernchef Øystein Løseth trat am Dienstag in Stockholm während einer Telefonkonferenz zugleich entsprechenden Spekulationen entgegen. „Wir sind derzeit nicht auf der Suche nach einem Investor“. Die Entscheidung liege am Ende beim Eigentümer, dem schwedischen Staat. Er könne das nicht-skandinavische Geschäft in einigen Jahren an die Börse bringen, erklärte er.

Bis dahin ist es Løseths Job, das Unternehmen zu sanieren. 2013 hat er bereits kräftig gespart, nicht profitable Einheiten abgestoßen und teils sehr hohe Verluste dafür in Kauf genommen. Bereits im zweiten Quartal schrieb Vattenfall umgerechnet mehr als 3,35 Milliarden Euro auf Kraftwerke und andere Vermögenswerte ab. Größter Brocken waren Abschreibungen bei der niederländischen Tochter Nuon. So blieb Ende 2013 unterm Strich ein Verlust von rund 1,53 Milliarden Euro. Erstmals seit vielen Jahren kann der Stockholmer Finanzminister daher nicht mit der Auszahlung einer Dividende rechnen. Løseth schloss zudem auch einen weiteren Stellenabbau über die bereits beschlossenen 2500 Arbeitsplätze hinaus nicht aus.

Das operative Geschäft verlaufe dagegen „erfreulich“, wie Løseth es ausdrückte. Das Unternehmen verkaufte mehr Strom und Wärme, erzielte dafür auch etwas höhere Preise. Das machte die gestiegenen Kosten für Brennstoffe und CO2-Zertifikate wett. So stieg das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis leicht um 1,3 Prozent auf 3,15 Milliarden Euro.

Der erst im Januar besiegelte Verkauf des Hamburger Stromnetzes an das Land Hamburg ist in den 2013er-Zahlen noch nicht enthalten. Bei der Gelegenheit stellte Løseth auch klar, dass sein Konzern weder einen Verkauf noch einen Ausstieg aus dem Bewerbungsverfahren um das Berliner Stromnetz plant. „Hamburg ist anderer Fall als Berlin. Hamburg wollte das Netz kaufen, das hat die Gespräche erleichtert“, sagte er. Nicht äußern mochte er sich zu den laufenden Gerichtsverfahren, in denen Vattenfall eine Kompensation für den beschlossenen Atomausstieg in Deutschland fordert.

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