Vattenfall : Machtwort aus Schweden

Führungskrise bei Vattenfall: Vorstandschef Josefsson will mehr Einfluss auf die deutsche Tochter und wechselt die Spitze aus.

Alfons Frese
Josefsson
Der Chef. Lars Göran Josefsson zieht die Fäden von Stockholm aus. -Foto: ddp

Berlin - Der anstehende Führungswechsel bei der deutschen Vattenfall soll vom Aufsichtsrat am 7. Dezember abgesegnet werden. Mit dem Finnen Tuomo Hatakka an der Spitze möchte der schwedische Konzernchef Lars Göran Josefsson mehr Einfluss auf die deutsche Tochter nehmen und womöglich gleichzeitig seine eigene Nachfolge vorbereiten: Josefsson scheidet vermutlich 2010 an der Spitze des schwedischen Staatskonzerns aus und wird von Hatakka, der sich bis dahin bei der Führung der deutschen Vattenfall- Gruppe bewähren muss, ersetzt. In Vattenfall-Kreisen wird gemutmaßt, dass Josefsson diese Personalplanung seit Monaten im Kopf hat und entsprechend agiert.

Die Turbulenzen an der Spitze des drittgrößten deutschen Energiekonzerns reichen zurück bis ins Frühjahr. Damals gab es zunehmend Ärger zwischen dem Vorstandsvorsitzenden der deutschen Vattenfall Europe AG, Klaus Rauscher, und Josefsson. Wie es in Unternehmenskreisen heißt, missfiel dem Schweden die selbstständige Art des Deutschen: Rauscher ließ sich kaum reinreden. Josefsson dagegen drängte auf höhere Profite durch rasche strukturelle Veränderungen und Rationalisierungen, heißt es in Konzernkreisen. Die technischen Defekte in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel nutzte Josefsson, um im Juli Rauscher abzuschießen. In einer ungewöhnlichen Aktion, ohne die normalerweise stattfindende Beteiligung des Aufsichtsrats, setzte Josefsson den bis dahin als Vertriebsvorstand fungierenden Hans-Jürgen Cramer als Vorstandssprecher ein; allerdings nur als Sprecher, nicht als Vorsitzenden des Vorstands, wie es noch Rauscher gewesen war.

Cramer bemühte sich in den vergangenen Monaten, unter anderem mit einer aufwendigen Medienkampagne, das Image des Unternehmens zu verbessern. „Jetzt schickt man die bekannteste Unterschrift Deutschlands in die Wüste“, hieß es am Freitag in Unternehmenskreisen in Anspielung auf beinahe täglich erscheinende Zeitungsanzeigen in Form eines Briefes, mit dem Vattenfall seine Geschäftspolitik erläutert und der von Cramer unterzeichnet ist.

Bei Vattenfall wird nun spekuliert, dass Josefsson Cramer nur für eine Übergangszeit gebraucht hat: Bis der größte Lärm über die AKW-Pannen und die Preiserhöhungen überstanden ist. Dann wäre die Zeit reif für Tuomo Hattaka, einen Finnen, der bislang die polnische Vattenfall führt. Hattaka ist mit einer Deutschen verheiratet und spricht deutsch. Die Familie lebt in Berlin, wo auch die Kinder zur Schule gehen. Konzernkreise gehen davon aus, dass Hattaka sich an der Spitze der wichtigsten Vattenfall-Gesellschaft bewähren soll, um vermutlich 2010 Josefsson an der Konzernspitze abzulösen.

„Josefsson ist eiskalt, der kennt keine Gefühle“, heißt es in Unternehmenskreisen über den Chef aus Schweden. Der hat immerhin binnen weniger Monate Rauscher und Cramer abgeräumt, um so die Weichen zu stellen für die eigene Nachfolge. Doch bis es soweit ist, hat Josefsson noch viel vor mit der deutschen Vattenfall-Gruppe: Dem Vernehmen nach soll der Vorstand verkleinert und die Geschäfte der polnischen und der deutschen Gesellschaften enger zusammengeführt werden. Alles in allem sollen die Strukturen des Konzerns so geschaffen werden, dass es leichter möglich ist, von Stockholm aus einzugreifen.

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