Wirtschaft : Vattenfall plant höhere Strompreise

Kosten für Windenergie sollen auf Kunden abgewälzt werden / Kartellamt schließt eine Prüfung nicht aus

Dieter Fockenbrock

Berlin - Nach den teilweise massiven Preiserhöhungen des vergangenen Jahres steht eine neue Strompreisrunde bevor. Als Begründung werden Zusatzkosten für die Windenergie genannt. Der Stromkonzern Vattenfall Europe bestätigte am Montag entsprechende Pläne. Entscheidungen sollen noch in diesem Sommer fallen. Spekulationen über Aufschläge von bis zu 28 Prozent dementierte der Vattenfall-Sprecher allerdings. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) wirft Vattenfall Preistreiberei vor. Das Bundeskartellamt schließt nicht aus, „dass wir der Sache nachgehen“, sagte eine Sprecherin dem Tagesspiegel.

Beim Konkurrenten Eon Energie hieß es unterdessen auf Anfrage: „Wir gehen zurzeit nicht davon aus, dass wir die Netzpreise zum 1. Januar 2005 erhöhen müssen.“ Eon hatte bereits im vergangenen Jahr die Leitungsentgelte um zehn Prozent angehoben.

Der politisch geförderte Ausbau der Windenergie in Deutschland führt bei den Stromkonzernen Eon und Vattenfall nach eigenen Angaben zu Zusatzkosten von mehr als 2,3 Milliarden Euro bis 2011. Die Versorgungsgebiete der beiden Unternehmen decken Nord- und Ostseeküste ab. Dort stehen die meisten Windräder. Die anderen Netzbetreiber RWE und EnBW sind vom Windstrom nicht so sehr betroffen, weil in ihren Versorgungsgebieten vergleichsweise wenig Windräder stehen.

Nach einem Gutachten belaufen sich für Vattenfall und Eon die Kosten in den nächsten Jahren auf gut eine Milliarde Euro für den Ausbau der Leitungsnetze sowie 1,35 Milliarden Euro für das Vorhalten zusätzlicher Kraftwerkskapazitäten, um die natürlichen Produktionsschwankungen bei der Windenergie auszugleichen. Vattenfall beziffert die Belastungen allein in diesem Jahr auf 100 Millionen Euro, 2011 sollen es 500 Millionen Euro sein.

Nach dem Erneuerbare Energieen Gesetz (EEG) sind die Netzbetreiber verpflichtet, den produzierten Windstrom in ihr Netz einzuspeisen und weiterzuleiten. Trittin will den Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung von jetzt knapp sechs Prozent in zehn Jahren verdoppeln. Vor allem vor der Küste (Offshore) sollen noch große Windparks entstehen. In Norddeutschland gibt es aber kaum Verbraucher. Der Strom muss in die Wirtschaftszentren Nordrhein-Westfalen oder bis nach Süddeutschland transportiert werden. Dafür müssen nach Unternehmensberechnungen 1500 Kilometer neue Leitungen, vor allem neue Höchstspannungsleitungen gebaut werden. Um die Preise zur Nutzung dieser Netze geht es jetzt auch. „Wir überlegen, die Netznutzungspreise anzupassen“, heißt es bei Vattenfall. In den Medien genannte Zahlen von bis zu 28 Prozent bestritt der Firmensprecher aber. Das beruhe auf alten Berechnungen. Seit vergangenem Freitag gelte eine neue Fassung des EEG. „Erst jetzt gibt es eine verlässliche Kalkulationsgrundlage.“ In welchem Ausmaß die höheren Netzpreise auch bei den Verbrauchern ankommen, vermochte er nicht zu sagen. Die Kosten würden weitergegeben, aber nicht unbedingt eins zu eins.

Bei Eon wird darauf hingewiesen, dass die am Freitag vom Bundesrat verabschiedete EEG-Fassung auch neue Regelungen enthalte, die preisentlastend wirkten. Steigende Kosten durch die Windenergieeinspeisung könnten dadurch teilweise kompensiert werden.

Bereits in den vergangenen Jahren sind die Transportpreise für Strom im Höchstspannungsbereich um 2,7 Prozent gestiegen, berichtete am Montag der Branchenverband VDEW. Begründung: „Höherer Regelaufwand aufgrund schwankender Einspeisungen von Windstrom.“ Gesunken sind dagegen die Preise im Niederspannungsnetz. Das sind die für einen Haushaltskunden relevanten Preise. So kostete der Transport einer Kilowattstunde Strom Anfang des Jahres 5,4 Cent auf der Niederspannungsebene, im Herbst 2002 waren es 5,55 Cent laut VDEW. Zum Vergleich: Für eine Kilowattstunde Strom stellen die Versorger etwa 12 und 16 Cent in Rechnung. Großverbraucher, wie etwa Aluminiumwerke, sind allerdings direkt an das Höchstspannungsnetz angeschlossen. Bei ihnen schlagen die Preiserhöhungen voll durch.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat die Pläne Vattenfalls scharf kritisiert. „Die Pläne sind absurd. Es handelt sich um Preistreiberei“, sagte Trittin der Financial Times Deutschland. Offensichtlich versuche Vattenfall abzukassieren, bevor eine Regulierungsbehörde solche Praktiken verhindert.“ Eigentlich sollte zum 1. Juli die Wettbewerbsaufsicht für den Energiemarkt starten. Doch die Verabschiedung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) verzögert sich. Die Behörde wird vermutlich erst am Jahresende ihre Arbeit aufnehmen.

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