Vattenfall : Raus aus der Region

Vattenfall prüft Verkauf von Beteiligungen an Stadtversorgern – darunter auch die Berliner Gasag. Konkurrenz Eon will ebenfalls viele Stadtwerke verkaufen.

Kevin P. Hoffmann
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Die Perspektive verschiebt sich. Jahrelang kauften die Konzerne kleine Stromversorger hinzu, jetzt dreht sich der Trend um. Foto:...

Berlin - Der schwedische Energiekonzern Vattenfall prüft den Verkauf an mehreren Beteiligungen in Deutschland. Auf dem Prüfstand stehen vor allem Minderheitsbeteiligungen an Kommunalversorgern. Wie das „Handelsblatt“ berichtete, soll es sich dabei unter anderem um Beteiligungen an Versorgern aus Schwerin, Dresden, Kassel und Berlin handeln. Hausintern werde der Verkauf der knapp 32-prozentigen Beteiligung an dem Gasversorger Gasag diskutiert, der die meisten Berliner Gaskunden beliefert.

Vattenfall Europe bestätigte den Bericht im Grundsatz, wollte sich zu den darin konkret genannten Unternehmen aber nicht äußern. „Vattenfall stellt im Rahmen seiner Strategieplanungen regelmäßig seine Portfolios und Beteiligungen auf den Prüfstand“, sagte Vattenfall-Sprecher Steffen Herrmann dem Tagesspiegel. Ziel sei es, das Wachstum des Unternehmens zu sichern. Die Prüfungen stünden noch am Anfang, konkrete Verkaufsentscheidungen seien noch nicht getroffen worden, sagte der Sprecher weiter.

Vattenfall Europe mit Hauptsitz in Berlin ist der Grundversorger und Stromnetzbetreiber im Osten Deutschlands und in Hamburg. Er hält unter anderem 29 Prozent an der Schweriner Wemag, 29 Prozent an der Dresdner Enso, 25 Prozent an den Städtischen Werken Kassel sowie besagte 32 Prozent an der Gasag. Dort beobachtet man den Vorgang, befasst sich aber nicht näher damit, sagte ein Gasag-Sprecher am Montag. In der Summe könnte Vattenfall mit einem Verkauf einen Milliardenbetrag erlösen.

Vattenfall braucht Geld. Die staatliche schwedische Muttergesellschaft hatte Anfang des Jahres bekannt gegeben, dass sie die Mehrheit an dem niederländischen Nuon-Konzern übernehmen will. Nach Branchenschätzungen muss der Konzern dafür rund zwölf Milliarden Euro bezahlen. Und das Kartellamt muss dem noch zustimmen. In diesem Zusammenhang könnte ein Abstoßen kommunaler Beteiligungen erforderlich werden.

Auch einer von Vattenfalls Wettbewerbern, der Energiekonzern Eon, hatte vor wenigen Wochen mitgeteilt, einen Verkauf seines kommunalen Geschäfts zu prüfen. In dem Unternehmen Thüga hat Eon die Beteiligungen an rund 100 deutschen Versorgern zusammengefasst. Die Thüga hält knapp 37 Prozent an der Gasag und ist neben Vattenfall und GDF Suez der dritte große Eigentümer des Grundversorgers.

Beim Verband kommunaler Unternehmen (VKU) erkennt man in dem Verkauf kleinerer Stadtversorger durch die Konzerne einen klaren Trend. Beim Verband hofft man aber, dass die Stadtversorger nicht an ausländische Finanzinvestoren verkauft werden: „Wir begrüßen kommunale Lösungen, wenn es zum Verkauf von Beteiligungen der Energiekonzerne kommt“, sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck dem Tagesspiegel. Rein kapitalgetriebene Lösungen seien nicht angebracht, da es immer um die Erhaltung der hochentwickelten Infrastruktur gehe, sagte Reck weiter. „Dies sollte bei einem Verkaufsprozess berücksichtigt werden.“

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