Vattenfall : RWE ist kein Vorbild für einen Tarifabschluss

Der Konflikt spitzt sich zu im Streit um einen langfristigen Kündigungsschutz.

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Das personalpolitische Agieren der schwedischen Mutter erschwert die Lösung des Tarifkonflikts bei der deutschen Vattenfall. Die Gewerkschaften wollen sich deshalb nicht auf einen ähnlichen Kompromiss wie beim Wettbewerber RWE einlassen. Am Mittwoch waren die Verhandlungen zwischen dem drittgrößten deutschen Energieversorger und den Gewerkschaften Verdi, IG Metall und IG BCE gescheitert. Hauptstreitpunkt ist der Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen für die gut 15 000 Vattenfall-Beschäftigten, die unter den Tarif fallen. Das Management hatte eine Verlängerung des Kündigungsausschlusses bis Februar 2016 angeboten, die Gewerkschaften wollen eine Regelung bis 2020. Nach dem Scheitern der Gespräche bereiten die Gewerkschaften nun Urabstimmungen über einen Streik vor.

„Wir wären bereit gewesen, den im letzten Monat vereinbarten RWE-Tarifabschluss mit einer Verlängerung des Kündigungsschutzes um zwei Jahre und einem 24-monatigen Vergütungsabschluss abzuschließen“, sagte Vattenfall-Arbeitsdirektor Torsten Meyer nach den Gesprächen. IG BCE-Verhandlungsführer Klaus Nieder lehnte das mit den Worten ab, „die Empfindungslage der Beschäftigten ist eine andere als bei RWE“. Vor zwei Wochen hatte die Konzernspitze in Stockholm den Abbau von 1500 Stellen an den Standorten Berlin, Hamburg und Cottbus angekündigt. Die Gewerkschaften hatten das als Affront empfunden. Nieden zufolge versucht das Management von Stockholm aus zu „diktieren“ und missachte dabei die Gepflogenheit der deutschen Mitbestimmung. „Das geht nicht“, sagte Nieden auf Anfrage.

Neben der Kündigungsfrage streiten die Parteien um die Übernahme der Azubis und natürlich um Geld. Die Gewerkschaften fordern 6,5 Prozent bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten, Vattenfall hat 2,75 Prozent für dieses Jahr und weitere 1,75 Prozent für 2014 angeboten. Das ist exakt die Größenordnung, die vor ein paar Wochen auch für die 30 000 RWE-Mitarbeiter ausgehandelt wurde. Hinzu kommen für die RWE-Mitarbeiter noch Einmalzahlungen von jeweils 250 Euro in 2013 und 2014.

Arbeitsdirektor Meyer lehnte einen Kündigungsausschluss bis 2020 mit zwei Argumenten ab: Die „äußerst angespannte Marktsituation“ hierzulande und die umstrittenen Konzessionen für den Betrieb der Stromnetze in Hamburg und Berlin. In den Städten gibt es Bürgerinitiativen, die das Netz von Vattenfall in städtisches Eigentum übertragen wollen.

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