Vattenfall : Schweden führt

Der Energie-Konzern Vattenfall baut seine deutsche Tochter um. Das Unternehmen legt die Länderabteilungen in Deutschland und Polen zusammen. Chef wird der Finne Tuomo Hatakka. Das könnte Arbeitsplätze kosten

Alfons Frese
Vattenfall
Zahlreiche Pannen und Skandale erschütterten den Vattenfall-Konzern in diesem Jahr. -Foto: ddp

Berlin - Zum 1. Januar 2008 bekommt die deutsche Vattenfall Europe AG einen neuen Chef. Der Finne Tuomo Hatakka löst dann, wie schon berichtet, Hans-Jürgen Cramer ab. Cramer wird wieder als normales Vorstandsmitglied für den Vertrieb zuständig sein und Ende Juni 2008 ausscheiden. Ferner werden die deutsche und die polnische Vattenfall unter dem Dach einer neuen „Business Group Central Europe“ zusammengeführt, teilte das Unternehmen am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Aufsichtsratschef Lars Göran Josefsson begründete das mit Marktveränderungen. „Wir sind auf dem Weg zu einem voll integrierten europäischen Markt.“ Hatakka ist derzeit Chef der polnischen Vattenfall und sei mit „den Anforderungen in einer multikulturellen Umgebung seit langem vertraut“, ließ Josefsson erklären.

Inwieweit die deutsche Tochter des schwedischen Staatskonzerns künftig stärker von Stockholm aus geführt wird und ob es neue Strukturen gibt, will der Aufsichtsrat im Februar diskutieren. Der Chef des Staatskonzerns Vattenfall AB, Josefsson, will den deutschen Konzern enger an die Mutter binden. „Was das bedeutet, ist noch nicht erkennbar“, sagte ein Aufsichtsrat. „Entscheidend ist, welche Projekte künftig noch in Deutschland finanziert werden.“

Gewissermaßen verantwortlich für Josefssons Änderungspläne ist der langjährige Chef der deutschen Vattenfall, Klaus Rauscher. „Der hat für die Eigenständigkeit gekämpft“, sagt ein Aufsichtsrat und verweist auf die Politik Rauschers, wonach der in Deutschland erwirtschaftete Gewinn auch in Deutschland reinvestiert wird. Dazu passt die eher mickrige Dividende. Vom zuletzt 500 Millionen Euro betragenden Bilanzgewinn bekam der mit 97 Prozent an der deutschen Vattenfall beteiligte Stockholmer Konzern gerade mal gut 70 Millionen Euro.

Womöglich will Josefsson mit Hilfe Hatakkas künftig eine höhere Ausschüttung durchsetzen. Bislang scheiterte das nicht nur an Rauscher, sondern auch an den übrig gebliebenen Aktionären, die noch knapp drei Prozent der Aktien halten und dann auch eine höhere Dividende bekommen hätten. Der Versuch, mit einem Squeezeout-Verfahren diese Aktionäre herauszudrängen, ist vorerst gescheitert. Beim Squeezeout macht der Großaktionär, der alle Anteile übernehmen will, den restlichen Aktionären ein Abfindungsangebot. Die Aktionäre müssen im Prinzip auf das Angebot eingehen, können aber gegen die Höhe des Abfindungspreises für ihre Aktien klagen. Das haben bei Vattenfall rund 50 Aktionäre getan. Inzwischen liegt das Verfahren beim Berliner Kammergericht, das Vattenfall signalisiert hat, dass wegen Unstimmigkeiten bei der Wertermittlung des Aktienpreises der Konzern den Prozess verlieren wird.

Wie es in dieser Angelegenheit weiter- geht, ist offen. Jedenfalls wird Josefsson die Kleinaktionäre nicht so schnell los, wie er gedacht hat. „Nach dem Squeezeout können die völlig frei entscheiden und das Unternehmen ausplündern“, sagt der Steuerrechtler Lorenz Jarass. Wenn es keine Aktionäre mehr gibt, wird Vattenfall von der Börse genommen; es gibt dann keine Publizitätspflicht. „Wenn die das Unternehmen beherrschen, können sie da Geld rausziehen, ohne dass man es merkt“, argwöhnt Jarass .

Die deutsche Vattenfall Europe AG war 2002 aus der Hamburger HEW, der Berliner Bewag sowie dem ostdeutschen Kraftwerksbetreiber Veag und dem Braunkohlekonzern Laubag gebildet worden. „Die haben einen Riesendeal gemacht“, sagt Klaus Zapf, Berliner Spediteur und selbst Vattenfall-Aktionär über die Einkaufsbedingungen des schwedischen Konzerns in Deutschland.

Beim Berliner Senat – dem Bewag-Verkäufer – musste sich Vattenfall verpflichten, die Zentrale und die wichtigsten Steuerungsfunktionen in Berlin anzusiedeln. Diese Verpflichtung gilt bis Ende 2014. Auch eine Arbeitsplatzgarantie gehörte damals zum Abschluss; allerdings sind dadurch weniger als die aktuell 4300 Berliner Arbeitsplätze abgesichert. „Es gibt Befürchtungen für die nächsten Jahre“, sagt ein Vattenfall-Betriebsrat. Zwar schützt ein bis bis 2012 gültiger Tarifvertrag vor Kündigungen. „Doch wir sind immer vom Wohlwollen des Vorstands abhängig.“ Den neuen Chef Hatakka haben die Arbeitnehmervertreter bereits kennengelernt. „Der Mann ist in Ordnung“, sagt ein Aufsichtsrat über Hatakka, der ordentlich Deutsch spricht. Doch nach den Erfahrungen in Polen, wo Hatakka „konsequent seine Linie durchgesetzt hat, müssen wir gut aufpassen.“

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