Wirtschaft : Vattenfall: Schwedischer Energiekonzern übernimmt HEW-Mehrheit

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Der schwedische Energiekonzern Vattenfall baut seine Mehrheit am Hamburger Energieversorger HEW auf mehr als 71 Prozent aus. Zusätzlich zu den Anteilen von Eon (15,4 Prozent) und von Sydkraft (21,8 Prozent) habe Vattenfall weitere knapp acht Prozent von privaten Investoren und 1,1 Prozent über die Börse erworben. Das teilte der Vorstandsvorsitzende des Stockholmer Konzerns, Lars G. Josefsson, am Donnerstag in Hamburg mit. Weiterer großer Anteilseigner bleibt die Freie und Hansestadt Hamburg mit einer Sperrminorität von 25,1 Prozent. Der Anteil des Streubesitzes, der an der Börse gehandelt wird, sinkt von 11,5 auf 3,7 Prozent.

Im April hatte der schwedische Großkonzern Vattenfall bereits 25,1 Prozent der HEW-Anteile von der Hansestadt Hamburg übernommen. Für die Abgabe ihrer Anteile bekommen Eon und Sydkraft nach Angaben der Münchener Eon AG Firmenbeteiligungen in Norwegen, Schweden, Tschechien und Litauen sowie rund 490 Millionen Euro (958 Millionen Mark).

Für die Schweden ist die Übernahme der Aktienmehrheit in Hamburg ein wesentlicher Schritt, um auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Eigentliches Ziel von Vattenfall ist jedoch, über HEW die Kontrolle über die so genannte "vierte Kraft" im deutschen Strommarkt zu bekommen. Diese soll im Kern aus dem ostdeutschen Stromversorger Veag, dem Braunkohle-Lieferanten Laubag und eventuell aus der Mibrag und dem Regionalversorger Envia gebildet werden. Das Verkaufsverfahren um die Veag / Laubag wird am 15. November mit dem Ende der Bieterfrist fortgesetzt. Die Interessenten aus ganz Europa verhandeln derzeit um mögliche gemeinsame Angebote.

Das Interesse Vattenfalls, ein gemeinsames Gebot von HEW und Bewag zu initiieren, wird noch immer vom gegenwärtigen Eigentümer des Berliner Versorgers Bewag, Southern Energy (SEI), unterlaufen. SEI weigert sich nach wie vor, dem Erwerb der Aktienmehrheit von HEW an der Bewag (durch Anteilskauf von Eon) zuzustimmen. Für Vattenfall ist das allerdings eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass ein HEW-Bewag-Konsortium im Bieterverfahren um die Veag / Laubag entstehe kann. Aus den beteiligten Unternehmen hieß es, man sei noch immer im Gespräch zur Lösung des Konfliktes zwischen SEI und HEW. Konkrete Ergebnisse seien allerdings nicht greifbar.

Der "Druck auf die Amerikaner nimmt allerdings zu", weil nur noch knapp drei Wochen Zeit blieben, um ein Konsortium von HEW und Bewag zu bilden, hieß es. Sowohl im Vorstand der Bewag als auch in der Berliner Landesregierung wachsen seit Wochen die Befürchtungen, ohne den Hamburger Partner beim Bieterverfahren um die Veag leer auszugehen. Dies würde die Entwicklung der Bewag empfindlich stören.

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