Wirtschaft : Vattenfall verliert in Deutschland AKW und Netzverkauf belasten Quartalsergebnis

Stockholm/Berlin - Deutschland entwickelt sich für den staatlichen schwedischen Energiekonzern Vattenfall immer mehr zu einem Millionengrab. Hauptgründe sind die anhaltenden Stillstände bei den Atomkraftwerken, relativ hohe Personalkosten wegen Altverträgen aus Zeiten der übernommenen Hamburger HEW und der Berliner Bewag – und auch der jüngste Verkauf des 10 000 Kilometer langen Übertragungsnetzes in Ostdeutschland und Hamburg an Investoren aus Belgien und Australien kostet den Konzern indirekt Geld. Das wurde bei der Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal des Jahres in Stockholm deutlich.

Der Konzern musste den Wert des Netzes in seinen Büchern deutlich abwerten, Vattenfall erhält dafür rund 800 Millionen Euro – deutlich weniger, als vor Ausbruch der Wirtschaftskrise gedacht. Das habe den Gewinn im ersten Quartal um mehr als eine halbe Milliarde Euro und das Ergebnis der deutschen Tochter auf nahe null gedrückt, hieß es. Ohne diesen Effekt wäre der Betriebsgewinn dagegen um fast 20 Prozent gestiegen.

Erstmals stellte der Norweger Øystein Løseth, der vor wenigen Wochen die Nachfolge des umstrittenen Managers Lars G. Josefsson angetreten hatte, die Ergebnisse vor. Zur allgemeinen Geschäftsentwicklung sagte er: „Die Profitabilität liegt unter dem, was unsere Eigentümer erwarten. Wir müssen diesen negativen Trend umkehren.“ Im ersten Quartal 2010 halbierte sich das Ergebnis unter dem Strich auf 3,79 Milliarden Kronen (rund 394 Millionen Euro).

Die beiden Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel kosteten den Konzern von Januar bis Ende März rund 100 Millionen Euro. „Wir glauben nicht, dass wir in diesem Jahr wieder in Betrieb gehen können“, sagte Løseth dazu. Um profitabler zu werden, hat Vattenfall Europe bereits ein Sparprogramm mit einem Sparvolumen von jährlich 340 Millionen Euro angekündigt. kph

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