Vattenfall : „Wir haben nicht den besten Job gemacht“

Der Vattenfall-Vorstand entschuldigt sich für verwirrende Preisinformationen. Dennoch bleibt es bei der angekündigten Preiserhöhung für die Kunden.

Bernd Hops
Vattenfall
ddp

Berlin - Der Energieversorger Vattenfall will aus der Aufregung über die geplante Preiserhöhung Konsequenzen ziehen. Die Kunden seien offenbar nicht gut genug informiert worden, sagte Hans-Jürgen Cramer, Vertriebsvorstand von Vattenfall Europe Berlin, am Donnerstag in Berlin. „Wir haben nicht den besten Job gemacht – fertig, Ende, aus.“ Wie es dazu kommen konnte, werde im Haus genau analysiert. Anschließend würden Konsequenzen gezogen. Personelle Maßnahmen schloss Cramer nicht aus. Der Versand der Briefe, in denen die Kunden über die Änderungen informiert werden und die für viel Verwirrung gesorgt haben, sei vorerst gestoppt worden. Die Schreiben würden deutlich überarbeitet.

An der angekündigten Preiserhöhung werde aber wie geplant festgehalten. „In den vergangenen Monaten und auch 2006 gab es einen starken Anstieg bei den Bezugskosten“, sagte Cramer zur Begründung.

Am 15. Mai hatte Vattenfall angekündigt, dass die Strompreise in Berlin und Hamburg zum 1. Juli steigen würden. In der Hauptstadt hat Vattenfall 1,7 Millionen Kunden und einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent. Im wichtigsten Tarif soll der Aufschlag bei 6,5 Prozent liegen. Teilweise werden bestehende Tarife aufgelöst, so dass einige Kunden noch höhere Steigerungen haben. Kritik gab es für Vattenfall aus mehreren Gründen. Zum 1. Juli fällt die staatliche Preiskontrolle. Es entstand also der Eindruck, dass Vattenfall diesen Zeitpunkt größerer Freiheit direkt für höhere Preise nutzt. Allerdings haben bundesweit etwa 90 weitere Versorger ebenfalls höhere Preise ab 1. Juli geplant.

Außerdem erhalten Kunden beim Tarif „Berlin Klassik“ künftig automatisch einen Haushaltsschutzbrief dazu. „Der ist quasi kostenlos“, sagte Vertriebsvorstand Cramer. „Wir waren über die Reaktionen überrascht.“ Verbraucherschützer hatten die Verknüpfung kritisiert, auch mancher Kunde hat sich beschwert. Cramer sagte, er gehe nicht davon aus, dass es finanzielle Risiken gebe. Man prüfe das Angebot zwar mit Verbraucherschützern, halte es aber weiterhin aufrecht. „Einige 10 000 Kunden“ hätten sich schon dafür entschieden. Verloren habe Vattenfall seit Mitte Mai trotz der heftigen Kritik „nur einige 100“ Kunden, sagte Cramer.

Der Vertriebsvorstand sagte, ihm sei eines klar: „Wir müssen verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.“ In der kommenden Woche würden die Kunden durch große Zeitungsanzeigen über die Änderungen und alle Tarife informiert, kündigte er an. „Wir wollen niemanden in einen bestimmten Tarif drängen“, sagte Cramer. Zusätzlich würden die Kundenzentren für Beratungen geöffnet und die Hotlines verstärkt. In bis zu 600 000 Briefen, die noch zum Versand ausstehen, würden alle Wahlmöglichkeiten zwischen Vattenfall-Produkten vorgestellt.

Allerdings ließen sich die Preissteigerungen an der Strombörse nicht wegdiskutieren. „Wir liefern den Strom, den wir produzieren, komplett an die Börse, damit der Handel funktioniert, und müssen dort dann auch kaufen“, sagte Cramer. In den vergangenen Monaten sei der Börsenpreis für Strom um 34 Prozent gestiegen. „Das lässt sich nicht wegdiskutieren.“ Die hohen Gewinne, die Vattenfall zuletzt eingefahren habe, seien vor allem ein Ergebnis von Rationalisierungsanstrengungen. „Die müssen sich auch in der Bilanz widerspiegeln“, verteidigte Cramer die Preispolitik des Konzerns.

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