VATTENFALL : Zu eigenmächtig

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Foto: Thilo Rückeis

Das unterwürfige Getue kam zu spät. Von „Demut gegenüber dem schwedischen Volk, unserem obersten Auftraggeber“ sprach Lars Göran Josefsson. Wenige Tage später musste der Chef des staatlichen schwedischen Vattenfall-Konzerns seinen eigenen Nachfolger vorstellen. Immerhin durfte er den noch mit aussuchen, schließlich hatte Josefsson selbst Øystein Løseth ein halbes Jahr zuvor in den Konzern geholt. Im kommenden Sommer löst der 51-jährige Norweger Løseth den dann 60-jährigen Josefsson ab. Damit endet eine Ära – auch für die in Berlin ansässige Vattenfall Europe, deren Strategie Josefsson als Aufsichtsratsvorsitzender wesentlich prägte.

Josefsson machte Vattenfall zum europäischen Energiekonzern. Dabei standen Einkäufe und Fusionen in Deutschland im Mittelpunkt. Er kaufte die Hamburger HEW und die Berliner Bewag und fusionierte die beiden Versorger mit den ostdeutschen Braunkohlefirmen Veag und Laubag. Ein Großteil des Konzerngewinns stammt seit Jahren von der deutschen Tochter. Vor allem wegen der Braunkohle. Einen profitableren und schmutzigeren Brennstoff gibt es nicht.

Greenpeace kippte im Herbst Kohle vor die Stockholmer Regierungskanzlei und zeigte dabei, dass Vattenfalls deutsche Kohlekraftwerke mehr CO2 pro Kilowattstunde Strom in die Atmosphäre blasen als chinesische Anlagen. Zuvor waren es die erneuten Pannen in den norddeutschen Vattenfall-AKW Krümmel und Brunsbüttel, die Schwedens Wirtschaftsministerin gegen Josefsson aufbrachten. Schließlich brachte der Plan des eigenmächtigen Josefsson, das schwedische Stromnetz zu verkaufen und mit dem Erlös ein AKW in England zu bauen, die Politik endgültig auf Anti-Josefsson-Kurs. Der große Stratege muss nun in Rente. alf

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