Vattenfalls Wärme-Chef Müller : "Die Braunkohle in Berlin ist Geschichte"

Auf dem Weg zur Klimaneutralität warten noch viele Baustellen. Mit der Umstellung des Berliner Kraftwerks Klingenberg auf den Brennstoff Gas ist ein großer Schritt getan. Ein Meinungsbeitrag.

Gunther Müller
Günther Müller ist Sprecher des Vorstands der Berliner Vattenfall Wärme AG . Foto: Vattenfall
Günther Müller ist Sprecher des Vorstands der Berliner Vattenfall Wärme AG .Foto: Vattenfall

Ab heute ist die Braunkohle in Berlin Geschichte. Das ist eine gute Nachricht. Denn Braunkohle setzt unter allen fossilen Brennstoffen das meiste CO2-frei und gehört damit klimatechnisch zu den dicksten Brettern, die auf dem Weg zur Klimaneutralität zu bohren sind.

Es erfüllt die Vattenfall Wärme Berlin – aber auch mich persönlich – mit einem gewissen Stolz, den in der Klimaschutzvereinbarung mit der Stadt für spätestens 2020 festgelegten Ausstieg aus der Braunkohle so viel früher zu schaffen. 600 000 Tonnen CO2 werden damit jährlich vermieden. In der Pro-Kopf-Klimabilanz sind das 180 Kilo, die jede Berlinerin und jeder Berliner damit statistisch reduziert. Dass die 180 Kilo CO2-Ersparnis von jedem konventionellen Berliner Auto innerhalb von nicht mal 1500 Kilometern auf Berliner Straßen wieder in die Luft gepustet werden können, zeigt nebenbei, dass es auf dem Weg zu Klimaneutralität noch ein paar andere Baustellen gibt.

Ich freue mich auch, wie gut unsere Entscheidung in die politische Landschaft passt. Dass der schrittweise Ausstieg aus der Kohle und der massive Einstieg in die Wärmewende richtig und notwendig sind, ist eine gemeinsame Erkenntnis, an deren Realisierung wir weiter gemeinsam arbeiten müssen. Diesen großen Konsens, der in der Energiewende und damit auch in unserem Geschäft neue Dynamik erzeugt, nimmt Vattenfall nicht nur in der Berliner Politik wahr. Insbesondere die beiden letzten internationalen Klimaschutzkonferenzen in Paris und Marrakesch haben einen nachhaltigen Eindruck in der Energiebranche hinterlassen.

Unter dem Einfluss der dort gefassten Beschlüsse hat der Wandel im gesamten Vattenfall-Konzern hin zu einer konsequenten Ausrichtung auf die Erreichung einer CO2-freien Energieproduktion innerhalb einer Generation noch an Fahrt gewonnen. Damit hat Vattenfall endgültig Kurs auf die Erneuerbaren genommen. Das ist gut für Berlin und wird sich nicht im Ausstieg aus der Braunkohle erschöpfen.

Die Schornsteine des Heizkraftwerkes Klingenberg und das benachbarte Zementwerk an der Spree in Berlin. Foto: Soeren Stache/dpa
Die Schornsteine des Heizkraftwerkes Klingenberg und das benachbarte Zementwerk an der Spree in Berlin.Foto: Soeren Stache/dpa

2020, also ebenfalls noch in dieser Legislaturperiode, werden wir ein Versprechen einlösen, das wir 2009 in der Klimaschutzvereinbarung mit dem Land Berlin gegeben haben. Der CO2-Ausstoß von Vattenfall in Berlin zur Erzeugung von Wärme und Strom für mehrere hunderttausend Haushalte wird sich dann gegenüber 1990 mehr als halbiert haben. Weit über eine Milliarde Euro werden dann in die Erneuerung unserer Wärmeinfrastruktur geflossen sein. Der endgültige Kohleausstieg bis 2030 ist dann der nächste Meilenstein, den wir gemeinsam mit dem Senat erreichen wollen.

In wenigen Wochen kommt der nächste Meilenstein

Wer dazu was tun muss, um die Fernwärme nicht nur sehr viel klimafreundlicher zu machen, sondern gleichzeitig weiterhin bezahlbar und verlässlich zu erhalten, wird auf der Basis einer Machbarkeitsstudie festgelegt, die im kommenden Jahr vorliegen soll. Bis 2030 werden wir mit der Wärmewende, also der klimaneutralen Wärmeerzeugung, ein gutes Stück vorangekommen sein.

Schon in wenigen Wochen will Vattenfall über die Investitionsmittel für den Bau von Deutschlands größter Power-to-Heat-Anlage am Kraftwerksstandort Reuter (in Siemensstadt, Spandau, Anm.) und damit über einen weiteren Meilenstein des Kohleausstiegs entscheiden. Mit Anlagen dieser Art wird die Sektorkopplung – die Nutzung von Strom zur Wärmeerzeugung – in ganz neuen Dimensionen möglich.

2050 soll Berlin dann komplett klimaneutral sein. Was Vattenfall dazu in Berlin beitragen kann, haben wir bereits Ende 2015 in den Energiegesprächen mit dem Finanzsenator dargelegt. In dem dort skizzierten CO2-Reduzierungspfad haben wir den Ausstieg aus der Steinkohle 2030 nicht nur weit vor der Willensbildung der aktuellen Koalition antizipiert, sondern unterschreiten mit den für 2030 bis 2050 vorgeschlagenen Maßnahmen sogar den CO2-Reduzierungspfad des Senats für diesen Zeitraum.

Zurück in den Mai 2017. Wenn wir heute gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller das Kapitel der Braunkohlenutzung schließen, kann das auch der Beginn eines neuen Kapitels in der Beziehung zwischen Vattenfall und Berlin sein. Gemeinsame Ziele lassen sich eben gemeinsam am besten erreichen. Was uns angeht: Wir sind bereit, entschlossen und in der Lage, den Weg zur Klimaneutralität zu gehen.

Gunther Müller ist Sprecher des Vorstands der Berliner Vattenfall Wärme AG.

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