Wirtschaft : Vauen-Pfeifen setzen Zeichen gegen den Streß

JOSEF HOFMANN (HB)

DÜSSELDORF ."Pfeifen sind wie Brillanten: Bei gleicher Größe und gleichem Schliff sind höchst unterschiedliche Preise zu erzielen." Und ob schließlich ein Hochkaräter herauskommt, der deutlich über 1000 DM kostet oder eine Pfeife, die nur einen Bruchteil dieses Betrages erbringt, darüber entscheidet in erster Linie der Rohstoff: das Holz.

Seine Qualität entscheidet auch über den wirtschaftlichen Erfolg von Alexander Eckert.Er leitet in der fünften Generation die Nürnberger Firma Vauen Vereinigte Pfeifenfabriken Nürnberg GmbH, die nach eigenen Angaben älteste Pfeifenmanufaktur Deutschlands.In diesem Jahr blickt die Firma mit rund 13 Mill.DM Umsatz auf 150 Jahre Firmengeschichte zurück - und gleichzeitig optimistisch in die Zukunft.Und das, obwohl die Pfeife selbst nach Meinung von Eckert "nicht so recht in diese schnellebige Zeit paßt".

Vom Ausgraben der Wurzel bis zur fertigen Pfeife vergehen Jahre.Nicht der eigentliche Produktionsprozeß dauert so lange.Doch der Rohstoff, das Wurzelholz des Bruyère-Strauches, hat sich bislang allem Ansinnen widersetzt, sich schneller bearbeiten zu lassen.Pfeifenhersteller sind weiter darauf angewiesen, daß die Natur den Rohstoff nach einer Wachstumsphase von 20 bis 30 Jahren in guter Qualität zur Verfügung stellt.

Wenn der geschäftsführende Vauen-Gesellschafter Eckert auch von Serienfertigung spricht - von hektischer Fließbandarbeit kann nicht die Rede sein.Lediglich der erste von insgesamt 60 Produktionsschritten ist reine Maschinenarbeit.Ansonsten ist das Pfeifenmachen vom Schleifen über das Beizen und Polieren bis zum Auftragen einer speziellen Paste in den Pfeifenkopf noch immer Handarbeit und damit zeitaufwendig.

Auf 700 000 Personen schätzt Eckert den Kundenstamm der Pfeifenraucher in Deutschland - eine kleine Gemeinde im Vergleich zu den Millionen von Zigarettenrauchern.Um sie buhlt Vauen mit der Konkurrenz, die weitgehend aus Dänemark, Italien, Frankreich und England stammt.Dabei ist Deutschland nach Aussagen des Vauen-Geschäftsführes ein "dankbarer Markt, in dem man sehr gut Pfeifen von Wert verkaufen kann".Darauf hat das Unternehmen in den letzten Jahren reagiert und konzentriert sich zunehmend auf das qualitativ bessere und damit auch preislich höhere Segment.

Nach einem Zeitraum mit rückläufigen Marktvolumina und Stagnation in den letzten Jahren rechnet Eckert für die Zukunft sogar wieder mit Wachstum.Er baut dabei auf die USA als Trendsetter.Anti-Raucher-Kampagnen schrecken "den Pfeifenraucher aus Leidenschaft" laut Eckert kaum.Für die überzeugte Gemeinde der Pfeifenraucher bietet die Firma mit 45 Mitarbeitern, die damit nach eigenen Angaben zu den großen Pfeifenfabriken der Welt zählt, 250 Modellvarianten, darunter jedes Jahr eine auf 3000 Stück limitierte Jahrespfeife, die die Sammlerseele anspricht.

Insgesamt verlassen 50 000 Pfeifen jährlich die Vauen-Produktion.Dabei reichen die Preise von 59 DM bis zu 1800 DM.Im unteren Preissegment kooperiert Vauen mit einer italienischen Firma.Trotz der breiten Produktpalette und der treuen Fangemeinde ist Eckert "mit dem Ertrag bei Pfeifen nicht so glücklich".

Doch das Unternehmen hat seit 1934 ein zweites Standbein, das sich gut entwickelt hat.Damals präsentierte Vauen den "Dr.Perl junior Aktivkohlefilter".Heute erreicht das Unternehmen mit dem "weltweit am häufigsten verkauften Kohlefilter" in Deutschland einen Marktanteil von 80 Prozent.Weltweit richtet die Konkurrenz ihre Produkte nach diesem Filter aus.

Mit einem national begrenzten, aber bekannten Problem hatte Vauen dagegen in den letzten Monaten zu kämpfen: Bei einem eher kleinen Werbeetat setzen die Hersteller auf den Werbeeffekt von prominenten Pfeifenrauchern, die im Rampenlicht stehen - wie Politiker.Doch in Wahlkampfzeiten zeige sich kein Politiker mit einer Pfeife.Diese öffentliche Abstinenz, da ist sich Eckert sicher, sei ebenso vergänglich wie Wahlversprechen.

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