VDA-Halbjahresbilanz : Autos für einen satten Markt

Die deutschen Hersteller haben Probleme, ihre Neuwagen auf dem Heimatmarkt abzusetzen – in China und in den USA läuft es besser.

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Berlin - Zum „Jauchzen“ seien die Zahlen nicht, räumte Matthias Wissmann am Dienstag beim Blick in die Auftragsbücher der deutschen Autohersteller ein. Aber ein Grund, „den Kopf in den Sand zu stecken“ seien sie auch nicht. Im Juni hätten die Bestellungen aus dem Ausland um neun Prozent zugelegt (seit Jahresanfang um fünf Prozent), sagte der Präsident des Verbands der deutschen Automobilindustrie (VDA). Bei den Aufträgen aus dem Inland habe es hingegen ein Minus von drei Prozent gegeben.

Sehr gemischt fällt Wissmanns Halbjahresbilanz aus: „Unser Sorgenkind bleibt der westeuropäische Markt“, sagte der VDA-Chef. Im laufenden Jahr werde der Markt um fünf Prozent auf 11,1 Millionen Neuzulassungen schrumpfen – der vierte Rückgang in Folge. Der zusätzliche Absatz in den USA und China werde zwar den Verlust in Europa mehr als ausgleichen – in den Jahren 2009 bis 2013 sei er viermal so groß. Unter dem Strich könne man dennoch „mit dieser Entwicklung nicht glücklich sein“.

Vor allem auf dem deutschen Markt geht es seit Monaten bergab: Die Zahl der Neuzulassungen sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,1 Prozent auf 1,5 Millionen, im Juni ging es noch einmal um fünf Prozent nach unten, wie das Kraftfahrt-Bundesamt am Dienstag in Flensburg mitteilte. Wissmann erklärte die Kaufzurückhaltung der Verbraucher trotz hoher Beschäftigung und steigender Einkommen mit der anhaltenden Unsicherheit, wann die Staatsschuldenkrise ein Ende findet. Auch die gewerblichen Autokäufe, die 60 Prozent aller Neuzulassungen ausmachen, sind rückläufig. Der VDA tröstet sich mit dem Umstand, dass die deutschen Konzernmarken insgesamt weniger verlieren als die Importeure.

Um ihre Neuwagen loszuwerden, greifen Hersteller und Händler allerdings zu teuren Verkaufshilfen: Laut Universität Duisburg-Essen haben Autokäufer im Juni mit Rabatten, Sondermodellen und Finanzierungen im Schnitt 12,6 Prozent gespart. Jeder fünfte Neuwagen wird nach Angaben Wissmanns zunächst auf einen Händler zugelassen und dann mit Nachlass verkauft. Koreaner (38 Prozent) und Italiener (45 Prozent) nutzten dieses Instrument allerdings noch aggressiver. Im Gesamtjahr strebt die Branche weiterhin rund drei Millionen Neuzulassungen an. Das wäre das Niveau von 2012 und entspreche dem Volumen eines „gesättigten Marktes“, sagte Wissmann.

Sorgen, dass sich die Lage auf den wichtigen Märkten USA und China eintrüben könnten, macht sich der VDA nicht. „Der US-Markt dürfte 2014 stabil bleiben und der chinesische Markt deutlich wachsen, wenn auch nicht mehr so stark wie bisher“, sagte Wissmann. Derweil laufen die Geschäfte der deutschen Hersteller in den USA durchwachsen: Der Volkswagen- Konzern verkaufte im Juni erneut weniger Autos. Der Absatz der Kernmarke VW schrumpfte um 3,2 Prozent auf rund 37 000 Autos. Besser schlug sich die Tochter Audi, deren Verkäufe um 8,2 Prozent auf 13 700 Autos zulegten. VW-Rivale Toyota lieferte gut 195 000 Fahrzeuge aus, ein Plus von zehn Prozent. Besonders beliebt waren bei den Amerikanern zuletzt wieder große Geländewagen.

Um die Auslandsmärkte besser bedienen zu können, wenden sich die deutschen Hersteller bei der Produktion immer stärker von ihrem Heimatmarkt ab. Für 2013 prognostizierte der VDA einen Zuwachs der Produktion außerhalb Deutschlands um sechs Prozent auf dann 8,7 Millionen Fahrzeuge. Die Inlandsproduktion schrumpft voraussichtlich um knapp vier Prozent. Damit klettert der Anteil der Auslandsproduktion an der Gesamtfertigung auf 63 (2012: 60) Prozent.

Wissmann bekräftigte am Dienstag seine Warnung, die deutsche Autoindustrie dürfe beim Klimaschutz nicht zu stark reguliert werden. Die in der vergangenen Woche in Brüssel auf Drängen Deutschlands und Frankreichs verschobene Festlegung von CO2-Grenzen und Boni für E-Autos sei eine „Sache, die für Millionen Beschäftigte von großer Bedeutung“ sei. Das EU-Flottenziel für 2020 sei mit 95 Gramm CO2 je Kilometer weltweit das anspruchsvollste.

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