Wirtschaft : VEA erreicht Rabatt bei Preussen Elektra

MÜNCHEN (tmh). "Der Wettbewerb ist da", urteilt Manfred Panitz über den Strommarkt in Deutschland. Für diese Einschätzung hat der Vorstand des Bundesverbands der Energie-Abnehmer (VEA) einen Beleg. Der nach eigenen Angaben größte Zusammenschluß von Stromkunden hat für seine 4000 überwiegend mittelständischen Mitglieder soeben zum Billigtarif den umfangreichsten Pool-Stromvertrag der Bundesrepublik ausgehandelt. Für jährlich 30 Mrd. Kilowattstunden Strom zahlen VEA-Unternehmen künftig nur mehr 3,3 Mrd. DM. Bislang waren für die selbe Menge nutzbarer Energie rund fünf Mrd. DM fällig.Der in Hannover ansässige Verband habe etwa ein Drittel Rabatt ausgehandelt, sagte dessen Vorstandschef Harald Wildhagen vor Journalisten in München. Zugleich kündigte er für den VEA an, weiter als Energieagentur aktiv zu bleiben und den Energieversorgern Preiszugeständnisse abringen zu wollen. Verabredet hat der Verband den Deal mit der Preussen Elektra AG, Hannover. In Kraft tritt der Vertrag ab Juli. Mit ausländischen Konzernen habe man dabei nicht verhandelt. Das liegt aber nicht daran, daß die Mittelständler beispielsweise Billigstrom aus Frankreich abgeneigt wären, sondern an bestehenden Durchleitungsproblemen, stellte Wildhagen klar. Diesen Umstand kritisiert er zugleich als größte Wettbewerbsblockade. Vor allem lokale Energieversorger wie die Berliner Bewag würden mit "fadenscheinigen Argumenten" die Weiterleitung von Billigstrom durch ihre Netze verweigern. Sollte es bis zum September dieses Jahres in dieser Frage keine branchenweite Einigung geben, müsse wie in der Telekommunikation vorübergehend eine Regulierungsbehörde installiert werden, fordert der VEA. Die momentan "skandalöse" Praxis benachteilige aus der Sicht des Verbandes vor allem die ostdeutsche Industrie sowie alle bundesdeutschen Normalverbraucher."Die privaten Haushalte warten noch immer auf billigeren Strom und dienen als Melkkuh der Energiewirtschaft," kritisiert Wildhagen. Zugleich rechnet er demnächst mit einer Welle von Preissenkungen auf dem bundesdeutschen Strommarkt. Für Normalverbraucher ist der VEA direkt dabei jedoch keine Lösung, denn der Bundesverband vertritt nur mittelständische Sondervertragskunden und öffentliche Einrichtungen. Dagegen habe man mit dem Pool-Vertrag einen Beitrag zum Aufbau Ost geleistet, reklamierte VEA- Geschäftsführer Volker Stuke. Immerhin senke der auf zwei Jahre laufende Vertrag den Strompreis für ostdeusche Mittelständler von derzeit im Schnitt 18,6 Pfennige pro Kilowattstunde Strom auf 14,5 Pfennige.Das Ost-West-Gefälle bei den Preisen bleibt bestehen. Westdeutsche VEA-Mitglieder müssen statt früher im Schnitt 16,6 Pfennige künftig nur mehr elf Pfennige je Kilowattstunde berappen. Über kurz oder lang müßten in Ost- und Westdeutschland gleiche Strompreise gelten, fordert der VEA und hofft auf steigenden Druck auf die Energieversorger. Immerhin mache der jetzt geschlossene Vertrag gemessen an den Strompreisen von Ende 1998 ein Volumen von gut vier Prozent des deutschen Stromumsatzes von 120 Mrd. DM aus. Das könne den Wettbewerb in Gang setzen. "Nach unseren Studien ist die Hälfte der Unternehmen wechselwillig, wenn der Preis stimmt," sagt Wildhagen zur Stimmungslage im deutschen Mittelstand hinsichtlich ihres jeweiligen Stromlieferanten. Andererseits rechnet er mit einer massiven Welle der Konzentration und Kooperation auf dem deutschen Energiemarkt, was die Macht der Großkonzerne stärken werde. Schon deshalb müßten auch auf der Abnehmerseite die Kräfte mehr denn je gebündelt und bestehende Strukturen bei der Festsetzung von Strompreisen gebrochen werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben