Wirtschaft : Veag zieht bei den Investitionen die Bremse

Der Stromkonzern reagiert auf hohe Umsatz- und Ertragsverluste BERLIN (chi).Angesichts des anhaltend rückläufigen Stromgeschäftes in Ostdeutschland hat das regionale Verbundunternehmen, die Vereinigte Energiewerke AG (Veag), bei ihrem 20-Mrd.-DM-Investitionsprogramm in den neuen Ländern die Bremse gezogen.Wie der Vorstand am Dienstag anläßlich der Bilanzvorlage mitteilte, wird der zweite Block des Kraftwerkes Boxberg in Sachsen vorerst nicht gebaut."Dies ist keine endgültige Entscheidung gegen den weiteren Ausbau.Ob wir bauen und welche Kapazität, werden wir in den nächsten Jahren regelmäßig überprüfen", sagte Veag-Vorstandssprecher Jürgen Stotz.An den anderen Projekten werde nicht gerüttelt: das Kraftwerk Schwarze Pumpe wird mit beiden Blöcken Anfang Juni offiziell in Betrieb gehen, und mit den Baufortschritten in Lippendorf, Boxberg (Block I) und beim Pumpspeicherwerk Goldisthal liege man im Plan.Mit 1,9 Mrd.DM 1997 - nach 2,7 Mrd.DM im Jahr davor - blieben die Investitionen "auf hohem Niveau", von dem geplanten Programm wurden bislang schon 13 Mrd.DM investiert.Im Wirtschaftsministerium in Dresden reagierte man gelassen: Die Verzögerung in Boxberg - für die zweite Stufe waren 2,2 Mrd.DM veranschlagt - sei schon länger im Gespräch gewesen, die Entscheidung komme "nicht überraschend", sagte Sprecher Armin Reck auf Anfrage.Die Veag hat 1997 bei Umsatz und Ertrag kräftige Rückschläge verbucht.Der Stromabsatz fiel um fünf Prozent auf 47,2 Mrd.Kilowattstunden, das bisher tiefste Niveau, die Erlöse gingen sogar um acht Prozent auf 5,2 Mrd.DM zurück.In der Folge erreichte der Jahresfehlbetrag 240 Mill.DM, nach minus 180 Mill.im Jahr zuvor.Auch 1998 ist keine Trendwende abzusehen: Bei einem voraussichtlich weiteren Rückgang der Umsatzerlöse um fünf Prozent werde die Veag einen Jahresfehlbetrag "mindestens in Höhe des Vorjahres" verbuchen, das Betriebsergebnis könnte sogar um bis zu 50 Prozent niedriger ausfallen, sagte Finanzvorstand Gottfried Spelsberg-Korspeter.Die Veag werde noch bis zur Jahrtausendwende mit Absatz- und Ertragseinbußen zu kämpfen haben.Spelsberg-Korspeter begründete dies vor allem mit dem anhaltenden Druck auf die Preise.Entsprechend der Vereinbarung mit der Politik, die Industrie nicht übermäßig zu belasten, sei der Strompreis seit 1993 um durchschnittlich zwölf Prozent gesunken, allein 1997 waren es drei Prozent.Allerdings: Sie liegen noch immer um fünf bis zehn Prozent über dem Westniveau.Heftig kritisierte Spelsberg-Korspeter aber die zunehmende Konkurrenz von Stadtwerken, die das politische Bekenntnis zur Braunkohle unterlaufe.Hier werde "Kirchturmpolitik" betrieben.Als Belastung entpuppt sich für die Veag aber offenbar auch die im Rahmen der Strommarktliberalisierung vereinbarte Einspeisung alternativer Energien.Sollte das gesetzlich festgeschriebene Niveau von fünf Prozent erreicht werden, würde dies die Veag mit 200 bis 250 Mill.DM belasten, sagte Vorstandschef Jürgen Stotz.Man werde daher gegen das Stromeinspeisungsgesetz Verfassungsbeschwerde einlegen.Stotz zeigte sich dennoch zuversichtlich, daß die Veag zur Jahrtausendwende ein ausgeglichenes Ergebnis präsentieren werde.Dazu beitragen würden die kostengünstigere Produktion der neuen Kraftwerke, der weitere Stellenabbau - 1998 werden, ohne betriebsbedingte Kündigungen, weitere 1500 Stellen gestrichen - und die Umsatzstabilisierung aufgrund langfristiger Verträge, die nun vereinbart werden.Spätestens dann werde man auch über eine Dividende an die Großaktionäre RWE, Bayernwerk und PreussenElektra "nachdenken".

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