Veolia Deutschland-Chef Nordström : "Die Lokführer haben sich keinen Millimeter bewegt"

Ragnar Nordström ist Chef des größten privaten Bahn-Konkurrenten Veolia Verkehr. Mit dem Tagesspiegel spricht er über den Streik der Lokführer und den Weg zu einer Einigung.

Ragnar Nordström prüft juristische Mittel gegen den Streik. Foto: Paul Zinken
Ragnar Nordström prüft juristische Mittel gegen den Streik. Foto: Paul Zinken

Herr Nordström, die GDL will offenbar so lange streiken, bis sie sich durchgesetzt hat. Haben Sie die falsche Taktik gewählt?

Seit zwei Jahren befürworten wir einen einheitlichen Branchentarifvertrag, die Kernforderung der GDL. Das Problem ist, dass sich die Gewerkschaften, also die EVG und die GDL, nicht einig sind. Die GDL versucht stets, die EVG zu toppen. Deshalb kommen wir nicht voran.

Die Fahrgäste müssen also frieren, weil sich Funktionäre nicht grün sind?

Es hat in den vergangenen zwölf Monaten viele Gelegenheiten gegeben, gemeinsam zu einer vernünftigen Lösung zu kommen. Hinbekommen haben wir einen Branchentarifvertrag aber bislang nur mit der EVG für den Regionalverkehr. Wir und unsere Kunden sind offenbar nur der Spielball der Gewerkschaften und ihres Konflikts. Wir können derzeit nicht sagen, ob unsere Züge am nächsten Tag fahren oder nicht. Das ist nicht nur für die Fahrgäste ärgerlich, das schadet auch dem Verkehrsmittel Eisenbahn insgesamt.

Verstehen Sie, was die GDL im Kern will?

Das ist schwer zu sagen. Wir erfüllen im Prinzip alle Kernforderungen der GDL: Wir unterstützen den Branchentarifvertrag, wollen die Bezahlung auf Bahn-Niveau anheben, bieten wie die Bahn ein Einstiegsgehalt von 2300 Euro für Lokführer, plädieren für Weiterbeschäftigung bei einem Betreiberwechsel.

GDL-Chef Claus Weselsky hat signalisiert, es gehe vor allem um Löhne und Arbeitszeit. Welchen Kompromiss bieten Sie ihm?

Wir sollten direkt miteinander verhandeln, nicht über die Medien. Ich sehe aber keine große Bereitschaft der GDL, sich überhaupt mit uns an einen Tisch zu setzen. Sie will meines Erachtens primär streiken, nicht reden. Das bringt uns nicht weiter.

Weselsky verlangt ein neues Angebot als Bedingung für neue Gespräche.

Angebote macht man im Rahmen von Verhandlungen. Die Situation ist schwierig. Ich kenne Verhandlungen als Gespräche auf Augenhöhe, nicht als Diktat einer Seite. Die GDL hat uns ihren Entwurf für einen Lokführer-Branchentarifvertrag auf den Tisch gelegt und gefordert, wir sollten unterschreiben. So geht es natürlich nicht. Wir haben uns bewegt, die GDL aber noch nicht einen Millimeter.

Die GDL hat vermutlich den längeren Atem. Sollte es unbefristete Streiks geben, ist Ihr Handlungsspielraum übersichtlich.

Wir können auch auf der Ebene unserer regionalen Gesellschaften verhandeln. Man muss ja irgendwo anfangen. Teilweise haben wir ja schon gemeinsame Verträge, da müssten wir dann weitermachen. Letztendlich sollte die Bezahlung unserer Mitarbeiter im Vordergrund stehen.

Ziehen Sie gegen Streiks vor Gericht?

Das müssen wir sehen. Wir prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, ob das Allgemeininteresse in Gefahr ist, welche juristischen Mittel es gibt. Es ist aber viel zu früh und unangemessen, über so etwas zu reden, bevor man nicht alle Wege der Einigung versucht hat. Von mir aus können wir Tag und Nacht verhandeln. Ich glaube nicht, dass wir weit voneinander entfernt sind.

Welche Rolle spielt die Deutsche Bahn?

Sie ist der Marktführer und deren Tarifverträge gelten als die Richtschnur in der Branche. Es wäre aber für alle besser, wenn es mehr Flexibilität gäbe. Wir können nicht alle Regeln eins zu eins von der Bahn übernehmen, die in den letzten Jahrzehnten historisch gewachsen sind.

Wie lange dauert der Streit noch? Drei Wochen, fünf?

Ich hoffe auf eine schnelle Einigung. Wir brauchen Planungssicherheit für die Leute, die verreisen oder jeden Tag zur Arbeit fahren wollen.

Glauben Sie, dass Fahrdienstleiter oder Rangierer eigene Splittergewerkschaften gründen werden, wenn die GDL nun gewinnen sollte?

Ich finde den Trend zu Partikularinteressen überhaupt nicht gut. Das schadet dem deutschen Arbeitsmarkt. Kleine Spezialgewerkschaften können alles lahmlegen. Das ist auch für die Gewerkschaften nicht gut, schließlich müssen sie ständig um Mitglieder streiten. Sie sollten sich an einen Tisch setzen, dann sind sie viel schlagkräftiger.

Das Gespräch führte Carsten Brönstrup

1 Kommentar

Neuester Kommentar