Wirtschaft : Veolia piesackt die Bahn

Carsten Brönstrup

Berlin - Veolia Verkehr, der wichtigste Konkurrent der Deutschen Bahn im Regionalverkehr, will in den kommenden Jahren eine stärkere Rolle spielen. „Wir werden unseren Marktanteil in Deutschland von 4,5 Prozent bis 2010 auf 6,5 Prozent ausbauen“, sagte Kommunikationschef Andreas Winter am Mittwoch in Berlin. In dieser Zeit wird Veolia den Betrieb mehrerer Zugstrecken übernehmen, deren Ausschreibung der französische Konzern gewonnen hat. Dabei geht es um Strecken in und um Leipzig, Augsburg, Bremen, am Niederrhein sowie im Ruhrgebiet. Der Betrieb der ersten Strecken läuft zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember an.

In diesem Jahr will Veolia auch dank des zusätzlichen Geschäfts besser dastehen als 2007. Damals hatte das Unternehmen rund 90 Millionen Euro Verlust verbucht, weil es gezwungen war, Rückstellungen zu bilden. 2008 werde man schwarze Zahlen schreiben, der Umsatz soll auf rund 500 Millionen Euro steigen, hieß es. Veolia Verkehr führt seine Geschäfte von Berlin aus und beschäftigt bundesweit gut 4200 Menschen.

Im Regionalverkehr beauftragt der Staat mit 6,7 Milliarden Euro pro Jahr Verkehrsfirmen mit dem Zugbetrieb. Größter Anbieter ist der Ex-Monopolist Deutsche Bahn. Wegen seiner hohen Kosten kommt der Staatskonzern aber immer seltener zum Zug. Der Markt ist umkämpft – auch Veolia verlor nun die Strecke Cottbus-Görlitz-Zittau an den Konkurrenten Odeg, der planen soll, seine Zugschaffner auf dem Niveau von Putzkräften zu bezahlen. Zudem drängen neue Anbieter, etwa aus den Niederlanden, auf den Markt.

Veolia blickt gespannt auf 2012. „Das ist ein Schlüsseljahr, dann wird eine Reihe wichtiger Strecken neu vergeben“, sagte Winter. Das gelte auch für mehrere Verbindungen in der Region, etwa für die Linien Magdeburg-Berlin-Eisenhüttenstadt oder Stendal-Berlin-Cottbus. Das Auftragsvolumen allein hier liegt bei 1,3 Milliarden Euro, es geht um zwei Drittel des Zugangebots in Berlin und Brandenburg.

Veolia ist zudem der einzige private Anbieter im Fernverkehr mit dem Interconnex zwischen Rostock, Berlin und Leipzig. Jedoch verdient der Zug derzeit kein Geld. Man sei aber „auf gutem Weg“, sagte Winter. Weitere Fernstrecken plane man nicht. Carsten Brönstrup

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